Review: Humanz – Gorillaz

Homogen bleibt hier nichts. Das fünfte Studioalbum der vier Comicfiguren zeigt schon durch die wuchtige Auswahl an Nebeninterpreten, welche sich hinter den 20 (Standard), bzw. 26 (Deluxe) Songs des Albums ansammeln, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, vom ersten bis zum letzten Track einen roten Faden spannen zu können. Damon Albarn, Regent und Leadsänger der Gorillaz, hat mit dieser Feststellung auch kein Problem. Im Spiegel-Interview mit Torsten Groß erklärt Albarn, dass die Formatbezeichnung des neuen Langspielers für ihn keine Rolle spielt, soll es doch als Playlist bezeichnet werden. Letzten Endes geht es doch um die Musik.

Die Elektropop Gruppe trieb es in der -…ahh, Moment, „Halfway To The Halfway House“ startet gerade, gib mir eine Minute, das Intro braucht ein bisschen…- wo waren wir? Achso! Beim Übertrampeln aller alten Genrebeschränkungen, welche sich die Band in ihren Alben „Demon Days“ (2004) oder „The Fall“ (2010) noch mehr zu Herzen nahm, nun aber komplett für überholt erklärt. Tracks wie „Stobelite“, dessen Sänger Peven Everett anscheinend Gesangsstunden bei Stevie Wonder bekam, „Saturnz Barz“ mit MOBO Award Gewinner Popcaan sowie der Gospel „Hallelujah Money“ mit Benjamin Clementine, welcher sich mit seinem Debutalbum 2015 den Mercury Prize zu eigen machte, schieben das Album immer weiter Richtung Black Music. „We Got The Power“ mit Jehnny Beth bringt mit -man möchte sagen- Sprachgesang ihrer grandiosen Stimme zum Abschluss des Albums in der Standard Version einen tollen Titel. Durch etwas Glockengeklimper und ein wenig Geklatsche gleicht dieser nahezu einer Hymne à la Coldplay.

Die sechs Deluxetracks lohnen sich leider wirklich. Neben dem sechsten Interludium der Platte kommen hier mit „The Apprentice“ oder „Halfway To The Halfway House“ spannende Tracks. In ersterem übernimmt der Rag ’n’ Bone Man, Rory Graham, die Führung und lässt die Hörer nur so dahinschmelzen. In „Halfway To The Halfway House“ darf Peven Everett nun schon zum zweiten Mal ans Mikrofon und lässt darauf hoffen, dass es die Elektropopgruppe und ihn in Zukunft noch öfter zusammentreiben wird. Der Track ist beim ersten Hören speziell, birgt aber viele Elemente, die ihn zu etwas Besonderem machen. „Circle Of Friendz“ schließt rund die Deluxe Version des Albums ab. Hier darf Brandon Markell Holmes beweisen, dass überreichlich Selbstbewusstsein den Gesang nicht behindern muss.

Mit der neuen LP „Humanz“ zeigen die Gorillaz, dass sie ihr Handwerk nicht nur mustergültig beherrschen, sondern auch mit seinesgleichen suchender Liebe zum Detail arbeiten. Bei dieser sich fast nahtlos durch das ganze Album durchziehenden Qualität ist auch jegliche Nörgelei wegen der fehlenden Stimmigkeit der Albumtitel untereinander ausgeschlossen. Durch den gemischten Genresalat besteht selten Gefahr zur Langeweile.

Wirklich repräsentative Songs zum Reinhören in das Album sind unmöglich zu bestimmen. Zum Glück lohnt es sich die 69 Minuten zu investieren, um sich dem ganzen Langspieler einmal hinzugeben.

Pflichthörprogramm: „Let Me Out“, „Momentz“, „She´s My Collar“, „Hallelujah Money“, „We Got The Power“.

Hannes Marxen

Norddeutscher Azubi / Student, Musiker und Blogger. Jeden Besucher lade ich herzlichst zum gemeinsamen Kaffeetrinken ein. (die Kulisse wähle ich und Reise- sowie Unterkunftskosten übernimmt der Besucher)

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