„Man sollte das Leben feiern und nicht das Ende!“

Ines Häßler darüber, dass Porzellan vom Flohmarkt gar nicht kitschig ist und man über den Tod auch mal lachen darf

Wenn grinsende Totenköpfe Omas alte Teller schmücken, dann ist das die Arbeit von Ines Häßler. Die Diplom Designerin und Illustratorin ist bei der Recherche zu ihrer Diplomarbeit, die das Thema „Lachen.Tod“ behandelte, auf den mexikanischen Totenkult gestoßen und seitdem nicht mehr davon losgekommen. Nach ihrem Studium arbeitet Ines drei Jahre fest angestellt bei Agenturen im Bereich Print und Webdesign, bevor sie sich selbstständig macht. Ihren Stil beschreibt sie als farbenfroh, detailverliebt und naiv. Und genau mit dieser Formel schafft Ines es durch ihre Illustrationen dem Tod neues Leben einzuhauchen.

Was bedeutet Tod für dich?

Natürlich ist Tod immer etwas negativ behaftetes aber ich finde jeder sollte seinen eigenen Weg finden dürfen, damit umzugehen. Die Mexikaner bilden so ein Kontrastprogramm zu unserer starren Trauergesellschaft, davon können wir noch ganz viel lernen. Man sollte das Leben feiern und nicht das Ende!

 

Was fasziniert dich so an dem Dia de los Muertos?

 

Die Stimmung. Es ist nicht wie bei uns auf dem Friedhof, wo keiner redet.Ich hatte letztes Jahr das Glück einmal life dabei zu sein. Und es war heftig. Ich wusste schon so viel darüber, aber es life zu erleben war nochmal etwas ganz anderes. Überall auf dem Friedhof waren lachende und schnapstrinkende Mexikaner. Es wurde Musik gespielt und die Girlanden bildeten ein einziges Lichtermehr, es war unbeschreiblich.

Ist es nicht da nicht schwer hier im tristen Hamburg Inspiration zu finden?

Ich lasse mich eigentlich von allem Inspirieren. Am Anfang waren es die typischen mexikanischen Zuckerschädel. Die maritimen Sachen, wie die Seemänner sind überhaupt erst durch Hamburg zustande gekommen. Außerdem stehe ich total auf Kopfschmuck. Es ist eben nicht mehr alles typisch mexikanisch sondern einfach auch Frau Ines.

 

Frau Ines ist ja seit letztem Jahr auch Tätowieren, aber nicht nur weil die Motive so gut dafür geeignet sind, oder?

Doch tatsächlich schon. Auf Designmärkten haben mich immer wieder Leute darauf angesprochen ob ich auch tätowieren würde. Irgendwann dachte ich mir dann so, warum eigentlich nicht?

Ist es ein großer Unterschied auf einem Blatt Papier zu malen oder auf der Haut?

Erstaunlicherweise nicht. Die Zeichnung entsteht wie bei jeder anderen Arbeit auf einem weißen Blatt. Natürlich musste ich erstmal die Technik lernen, damit es nachher auf der Haut auch so aussieht wie auf dem Papier. Jetzt macht es aber eigentlich keinen Unterschied mehr ob ich das Motiv am Ende auf die Haut übertrage oder auf einen Teller.

Du stichst also nur deine eigenen Motive?

Ja. Die Leute dürfen mir gerne ihre Wünsche und Vorstellungen nennen, aber ich setzte sie dann auf meine Weise um. Dabei kommen auch echt coole Sachen zustande. Eine Frau aus Wien wollte mal einen Mozart als Zuckerschädel und ich hatte auch schon eine Anfrage für Wednesday Adams als Totenkopf. Nichts ist zu verrückt.

Was ist die verrückteste Arbeit, die du je gemacht hast?

Mit einer Freundin, die Goldschmiedin ist, habe ich Ketten und Broschen entworfen. Meine Motive habe ich dann auf alte Fotos gemalt und meine Freundin hat sie eingefasst. Wir hatten es uns als Andenken vorgestellt, mann hätte also auch ein altes Bild von seiner Oma mitbringen können und ich hätte einen Totenkopf draufgemalt. Das ist vielleicht nicht für jeden etwas.

 

Deine Illustrationen enden also immer auf Dingen, die schon existieren, seien es Teller vom Flohmarkt, alte Fotografien oder ein Mensch. Findest du es nicht schade, dass es nie „nur deine“ Arbeit ist?

Nein, gar nicht. Gerade bei den Tellern ist es so, dass jeder seine eigene Geschichte hat und schon in tausend Händen war. Ich finde es spannend was dieses Stück schon für ein Leben hinter sich hatte und jetzt meine neue Geschichte dazu bekommt. Der Gedanke ist ein ähnlicher wie bei dem Dia de los Muertos – es ist ein gelebtes Leben und jetzt wird es nochmal gefeiert.

Josephine Bartels

Hi, ich bin Josi, 20 Jahre alt und studiere Modejournalismus. Zurzeit halte ich mich in Berlin auf und arbeite für PR Agentur. Da ich das Schreiben jedoch viel zu sehr liebe, lasse ich euch hier an meiner Liebe zur Popkultur auf schriftliche Weise teilhaben. Ganz nebenbei bin ich Musikfreak und Schallplatten süchtig.

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