Mission Double M: Männer & Motoren

Die Gleichung ist simpel: Je schöner das Wetter, umso mehr Motorradfahrer machen wagemutig die Straßen unsicher und fahren sich dabei fast in den Tod. Die gesetzlichen Sicherheitsmaßnahmen sind ausgeschöpft: Helmpflicht, massive Schutzkleidung, Geschwindigkeitsbegrenzung, doch das Sterben geht weiter.

Es ist nicht so, als würden die Biker nicht wissen, auf welches Spiel sie sich einlassen. Und auch nach dramatischen Unfällen, steigt so mancher wieder auf das motorisierte Zweirad.
Thorben (28), ist einer von ihnen. 2007 erlitt der leidenschaftliche Motorradfahrer einen schweren Unfall. Jugendlicher Leichtsinn, Überschätzung, seine Schuld. Ein Wirbelbogenabbruch und weitere schwerwiegende Verletzungen brachten ihn ins Krankenhaus und machten seinen Beruf im Gartenbau unmöglich. Es folgte eine Umschulung zum Bürohengst und eine 180° Drehung des Lebensstils. Das Motorrad bleibt aber. Meine Mission: Herausfinden, ob Männer in Sache Geschwindigkeit dazu lernen und wieso sie sich wie kleine Jungs verhalten, sobald ein Motor aufheult!

Deine Definition von Größenwahn?

Thorben: Sich eigentlich unrealistische Ziele zu setzen und sie trotzdem irgendwie zu erreichen.

Was reizt euch Typen so am Motor?

Ich glaube der erste Punkt ist Selbstverwirklichung. Wenn ich hart für etwas arbeite, dann sehe ich einen Porsche oder eben das Motorrad als verdiente Belohnung. Wenn ich jetzt Pferdefan wäre, würde ich mich auch über ein Rennpferd freuen. Der Reiz ist einfach in eine andere Rolle schlüpfen zu können. Man fühlt sich wie ein Rebell oder der Reiter bei Herr der Ringe, der die große Schlacht anführt. Ist es klischeehaft, wenn ich sage, dass wir Kerle uns dadurch männlich fühlen?

Kommt ganz drauf an. Ist Sicherheit denn unmännlich?

Naja, vielleicht bis zu einem gewissen Punkt. Wenn ich Fahrrad fahre trage ich keinen Helm, weil ich mir dann dämlich und ja, irgendwie unmännlich vorkomme, auch wenn es natürlich sicherer ist. Außerdem zerstört es die Frisur! Wenn ich aber sage, dass ich, sobald ich Kinder habe den Motorradschlüssel an den Nagel hänge, kann man auch von Sicherheit sprechen, die aber wiederum nicht unmännlich ist.

Gefällt mir! Aber trotzdem macht sich ein bestimmtes Familienmitglied auch ohne eigene Kinder ganz besonders große Sorgen um dich, richtig?

Ja, Mama! Sie macht sich ständig Sorgen. Meine Familie hat den Unfall und die Zeit im Krankenhaus natürlich sehr nah mitbekommen, aber man kann eine Leidenschaft nicht einfach vergessen. Nach dem Unfall habe ich mir eine schnellere Maschine gekauft, 180 PS! Das erste Mal wieder auf das Motorrad zu steigen, war eine Herausforderung für mich und meine Familie.

Motorradunfall Krankenhaus.JPGDer Unfall hat auf einem Sportplatz stattgefunden und du wolltest einen Rolling Burnout machen. Was ist das und was ging dir nach dem Sturz als erstes durch den Kopf?

Beim Rolling Burnout drehst du den Motor im ersten Gang hoch und das Hinterrad dreht durch. Dabei habe ich die Kontrolle verloren und bin übers Lenkrad. Mein erster Gedanke war: „Oh, das war peinlich…“, aber dann kam ich nicht mehr hoch. Es folgten etliche Ärzte und Untersuchungen um meine Wirbelsäule herum. Ein Jahr später wurde ich endlich operiert. Danach hieß es sechs Monate eine Korsage zu tragen.

Machst du heute etwas anders um Unfälle zu vermeiden?

Ja, ich bin älter geworden und rase natürlich nicht mehr ganz so kopflos auf unübersichtlichen Straßen. Insgesamt würde ich aber nicht sagen, dass die Vernunft mit dem Alter kommt, sondern mit der Erfahrung auf die Schnauze gefallen zu sein.

Das stimmt! Die Motorradindustrie hatte ihren Boom in den 80er Jahren und die jungen Kerle von damals sind heute alte Silberrücken, rasen aber noch genauso, wie vor dreißig Jahren. Liegt die Gefahr denn wirklich in der Geschwindigkeit?

Zum Teil liegt es sicherlich an der Raserei und falschen Selbsteinschätzung. Es liegt aber auch daran, dass die Motorräder einfach nicht gesehen werden. Die Verhältnisse von Schatten und Licht sind für das Auge echt irritierend und dann werden schmale Biker von anderen Verkehrsteilnehmern schnell mitgenommen.

Was ist also abschließend dein Lieblingswort: Geschwindigkeit, Sicherheit oder Adrenalin?

Oh Gott, schwierige Frage! (langes Grübeln) … In der Hinsicht heute  Sicherheit! Das Leben ist zu kurz.

Mein Missionsabschluss: Männer können doch was lernen, aber Leidenschaften können nicht einfach abgestellt werden.

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Obwohl ich damit schon gut ausgelastet bin, kann ich Derbleu.com einfach nicht links liegen lassen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

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