Der Mutter-Tochter-Kreis

Meine Mutter und ich mögen die gleiche Kleidung. Doch woran liegt das?

Es ist oft so, dass ich meiner Mutter eine Marke oder einen bestimmten Laden zeige und dabei nichts für mich und viel für sie rausspringt. Eigentlich normal, denn ich kann mir die entsprechende Kleidung oft nicht leisten, sie als berufstätige Frau schon. Nach ein paar Saisons landet das damals nach Hause verfrachete Kleidungsstück, in Folge eines Spring Cleanings, in meinem Kleiderschrank. Große Freude für uns beide, denn ich habe neue Kleidung, meine Mutter aber mehr Platz in ihrem Kleiderschrank. Es ist ein sehr gut funktionierender, sich selbst ablösender Kreislauf.

Meine Mutter will wahrscheinlich jünger aussehen, ich älter. Doch diese Gedankenprozesse laufen im Unterbewusstsein ab. Fakt ist, die Modeindustrie zielt auf ein Publikum mit einer sehr breiten Altersspanne. Ein Kleidchen von Zara kann sowohl an einem jungen Mädchen als an einer 50-jährigen Frau gesehen werden. Man könnte das fast „altersneutrale Mode“ nennen. Immerhin liegen über 30 Jahre zwischen uns beiden.

Die französische Marke Comptoir des Cotonniers hatte bereits schon 2008 eine Kampagne nach dem Mutter-Tochter Schema konzipiert. Gewiss erkannte man Stücke, die eher für die Mutter als für die Tochter gedacht waren, aber alles in einem war es farbtechnisch total aufeinander abgestimmt.

Auch Kampagnen von Lanvin, Jaeger, H&M oder auch Max Mara bedienen sich an diesem extrem simplen Schema, das das Leben jeden Mädchens geprägt hat: Die Bewunderung vor der Kleidung ihrer Mutter und der Wunsch, genau wie sie auszusehen.

Bei meiner Mutter und mir ist Mode schon seit meiner Kindheit ein uns sehr bindendes Element gewesen. Meine Modeaffinität stammt ohne Zweifel von ihr. Heute ist es immer noch ein Thema, womit wir uns gerne und lange befassen und nicht selten kommt sogar dabei raus, dass wir uns genau dasselbe Kleid kaufen und es dann gleichzeitig tragen. Neben verdutzten Blicken, schmunzeln auch viele Passanten, denn eines haben sie begriffen: Wir nutzen die oft sehr negativ angesehene Frivolität der Mode, um unsere innige Bindung zu stärken.

Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten in London oder Paris für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

Eine Antwort auf „Der Mutter-Tochter-Kreis

  1. Das ist eine tolle Geschichte. Ronny und ich (die Mama) haben uns mal einen „gemeinsamen“ Jumpsuit gekauft.
    Immer wenn ich ihn anziehen wollte, war er in der
    Wäsche oder nicht gebügelt. Dann habe ich mir den gleichen Jumpsuit noch einmal gekauft.

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