Das große CRUISE/RESORT Recap 2018

Obwohl wir uns nicht gerade auf einem Kreuzfahrtschiff in der Sonne räkeln, sondern das langsam wärmer werdende Deutschland miterleben dürfen, bleibt das Befassen mit den neuesten Cruise Collections – oder auch nur Resort genannt –  essenziell . Sie bringen uns (wenn auch nur gedanklich) in ferne Länder und konfrontieren uns mit einer Mode die frei von Normen ist und zwischen Haute Couture und Ready-to-wear liegt. Die Cruise Collections sind ursprünglich dazu gedacht, auf Yachtschiffen während exklusiver Get Togethers getragen zu werden. Daher sprühen sie nur so von kreativer Energie und sind meist extravaganter als die Ready-to-Wear Kollektionen.

Beste Beispiele dafür sind Dior Kleider. Sie befinden sich irgendwo zwischen Haute Couture und Prêt-à-porter. Elemente, die uns in drei bisherigen Shows von Maria Grazia Chiuri für das französische Haus präsentiert wurden, sind hier in einer Art High-Low Mix wiederzufinden.

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Die für sie mittlerweile schon fast ikonische Bustier-Form des Kleides, die in der letzten Haute Couture Show sehr präsent war, wurde in der diesjährigen Cruise Show mit einem Lascaux-Print auf ein neues Level gebracht. Die Gäste wurden unter dem Motto “DIOR SAUVAGE” auf kalifornischen Boden eingeladen und flogen nach Los Angeles, um moderne Amazonen über den sandigen Boden gleiten zu sehen.

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Nicolas Ghésquières Amazonen für Louis Vuitton betraten im Miho-Museum im Norden Kyotos in Japan den Runway dank eines Laufbands, das die Models zuvor durch einen Tunnel brachte. Etliche japanische Referenzen, bestimmte Muster und das Kabuki-änhliche Make-up, verdeutlichten die vom Designer schon zuvor ausgedrückte Liebe für das Land der aufgehenden Sonne.

Karl Lagerfeld baute im Grand Palais eine griechische Ruine nach, deren Authentizität durch die wie Säulen aussehenden Lace-ups, die die Models trugen, nochmals unterstrichen wurde. Zu dieser Cruise Collection findet ihr hier mehr.

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Von Baz Luhrmanns zweiteiligen Produktion für Netflix, The Get Down, inspiriert, veranstaltete Pierpaolo Piccioli Valentinos Show in New York. In seiner zweiten Solo-Show seit der Verabschiedung von Maria Grazia Chiuri – letztere wechselte im Sommer 2016 zu Dior -, beide arbeiteten schon seit 1999 als Duo, präsentierte er Tracksuits in Rubin, Smaragd und Pink. Das Prinzip des Sportanzuges wurde auch auf Kleider mit Kontrastnähten übertragen.

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Alessandro Michele blieb dieses Mal auf italienischem Boden und präsentierte seine Kreationen für Gucci im Uffizi Museum in Florenz. Die wahrscheinlich allen bekannte Situation des Museumsbesuches, wo eine gewisse Distanz zwischen dem Ausgestellten und dem Besucher besteht, wurde hier als eine Form der Verfremdung genutzt. Slogans wie Guccy, Guccification oder Guccify yourself zierten Kleider und T-Shirts, während viele Schnitte und Kombis an eine Mischung der 60er und 70er erinnerten.

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Miuccia Prada’s allererste Cruise Show für die große Schwester von Miu Miu fand in einer Shopping Male statt, die Im Besitz der Familie Prada steht: die Galeria Vittorio Emanuele II. Der Stoff, der die Prada Taschen in den 90ern auf den Rang absoluter Must-haves brachte war in diesem ersten Versuch sehr präsent. Tatsächlich wurde der Stoff namens Nylon auch für Blousons und Hosen verwendet. Illustrationen von James Jean, einem Taiwanischer Künstler, dekorierten Tops und Taschen. Ein organähnlicher Stoff spielte mit der Transparenz und betonte somit die Körper der Models auf sehr feminine Weise. Ein sehr gelungener erster Versuch.

Das Label Dion Lee veranstaltete seine Resort Collection im Opera House in Sidney. Der Zehentrenner, der in der Modewelt noch nicht so ganz seinen Platz gefunden hat, wurde hier mit eleganten, fliessenden Kleidern mit ungewöhnlichen Schnitten und Cut-Outs, die etwas an die Schnittart des Labels Proenza Schouler erinnern, kombiniert.

Hier möchte ich mit den Worten von Nicole Phelps, Redakteurin für Vogue Runway, enden:

“The 2018 Resort season is a world tour in more ways than one—not just entailing travel to far-flung destination shows, but also including collections that trumpet local cultures: Ancient Greece for Chanel, Japan for Louis Vuitton. Chalk it up to our divisive times; designers seem captivated by notions of identity, celebrating them and pushing their boundaries.”

Obwohl die Mode die Welt nicht retten kann, stellt sie unsere Diversität absolut naturgetreu da und feiert diese ununterbrochen. Sie befasst sich mit Identität und der heutigen Definition dieses Wortes. Bedeutet heute Identität, dass wir Mauern um uns herum hochziehen und uns von alldem, was uns direkt umringt total abschotten? Eins ist sicher: ohne “fremde” Influenz, ohne die Kenntnis von Kulturen, die uns stets dazu inspirieren, die unsere weiter zu entwickeln, werden wir irgendwann den Stillstand der Mode erleben dürfen. Und dies genau, haben die letzten Cruise Collections auf den Punkt gebracht.

Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten in London oder Paris für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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