Kleider machen Männer – Menswear Spring 2018 London

Männer in Kleidern. Ein Anblick, den man dank der Entwürfe Jean-Paul Gaultiers aus den 90ern als nicht allzu gewöhnlich aber doch nicht fremd bezeichnen könnte. Und genau dieses Piece hat in einem Grossteil der männlichen Frühjahrskollektionen 2018, die diese Woche in London vorgestellt wurden, eindeutig das Monopol auf dem Laufsteg gehabt. 

Vivienne Westwood hatte das fluide Stück schon in ihrer letzten Männer-Herbstkollektion inkorporiert, (siehe hier).  Doch die diesjährige Show bot eine ganz andere Blickweise auf eines der einzigen Kleidungsstücke, die bisher nur sehr selten den weiblichen Kleiderschrank verlassen. Neben den üblichen Farbkombinationen der britischen Designerin, war auch die Benutzung unüblicher Materialien ein Thema. Manche Models trugen sogar zerdrückte Evian Flaschen unter ihren Schuhen. Die Show anzusehen, ist auf jeden Fall empfehlenswert. Hier findet ihr sie auf Youtube.

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Die MAN Fashionshow präsentierte die Entwürfe drei neuer Designer, Per Götesson, Art School und Rottingdean Bazaar. Jedes Jahr veranstaltet die Organisation “Fashion East” in Kooperation  mit Topman, der männlichen Version von Topshop. Auch hier wurde das Thema “Männlichkeit” aufgegriffen. Ein Sweatshirt der Designer von Rottingdean Bazaar enthielt einen mit einem Goldrahmen umrandeten männlichen Torsoausschnitt. Die Frage des stereotypischen männlichen Körpers wird hier mithilfe simpler Ironie angegangen. Wer keinen perfekten Körper hat, kann sich diesen durch einen simplen Aufdruck auf einem Sweatshirt besorgen. Die Oberflächlichkeit unserer Zeit wird hiermit demonstrativ in Frage gestellt.

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Der Einteiler, über den wir schonmal hier geschrieben haben, wurde bei Per Götesson neu interpretiert auf den Laufsteg geschickt. Auch hier alliieren sich ein sehr femininer Schnitt und ein männlicher Charakter.

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Mit langen roten Nägeln und wehenden langen Haaren betrat beim Label Art School eine feenartige Gestalt in einer femininen Mischung aus weissem Tüll und mit Rosen bedrucktem Stoff den Catwalk. Diese wie aus einer Haselnuss für Aschenbrödel entsprungene Kreation des Designerduos Eden Loweth und Tom Barratt könnte manch eine Braut vor Neid grün werden lassen.

Die von Craig Green entworfenen Silhouetten demonstrierten eine grosse Liebe für Handwerk und fliessende Stoffe. Webstuhlartige Konstrukte wurden, wie eine Maske vor dem Gesicht und Oberkörper getragen, präsentiert. Die daraus entstehenden gewebten Hosen und ponchoartigen Oberteile in verschiedenen Farbkombinationen fehlten auch nicht.

 

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Bei TOPMAN DESIGN war der Einfluss von David Bowie’s ikonischstem Bild absolut unübersehbar. Kontrastreiche Streifen, hochgestellte Haare und ein Hauch von orange auf den Augenlidern holten den verstorbenen Künstler für kurze Zeit durch etwas anderes, als seine einzigartige Musik, ins Leben zurück. Aber eines können wir garantiert sagen. Die nächste Saison wird für Männer den Fokus auf alle Sorten an Streifen setzen.

 

Diese extrem stark tendenzielle Prägung der Londoner Shows war sehr aussagekräftig  und die Entstehung eines „neuen“ – ganz neu nun mal wieder auch nicht, aber immer mehr vom gesamten Volk akzeptiert – Gesamtbewusstsein für die Kleidung, die man klischeehaft nicht mit Männern assoziiert. Die Londoner Shows sind bekannt für ihr künstlerisches Ausmass, während die Modewochen in Paris, Florenz und Milan generell weniger extravagant ausfallen. Stay tuned, der nächste Showbericht ist bald online.

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Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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