„Dieser ganze Öko-Style muss da mal raus!“

Tanja Glissmann spricht darüber, wie sie es schafft Nachhaltigkeit und modernen Feminismus miteinander zu verbinden

Eine etwas andere Modedesignerin ist sie schon, die Frau hinter dem Label Black Velvet Circus. Nachdem sie einige Jahre einen Online Vintage Store mit dem gleichen Namen führte, gründete Tanja Glissmann Ende 2013 ihr eigenes Label – und das mit bereits 36 Jahren. Ihren Stil beschreibt sie als „Minimalistic Hippie“, den sie mit Slogans wie „Love“ und klaren geometrischen Formen umsetzt und damit genau den Zeitgeist trifft. Denn trotz ihrem Hang zu den 70er Jahren, ist Tanja eine Frau mit modernen Ansichten, sei es ihr Ziel Fair Fashion erschwinglich und tragbar zu machen oder ihren ganz eigenen Feminismus zu definieren.

 

Eine Welt ohne Black, geht das?

Ohne Black? Ne! Black ist für mich Rock’n Roll, ein Outfit wirkt dadurch immer lässig. Ohne Schwarz geht gar nichts!

 

Wie fühlt es sich an, wenn du Menschen auf der Straße siehst, die dein Label tragen?

Das fühlt sich richtig gut an! Erst neulich habe ich in Hamburg von weitem eine Frau gesehen und dachte mir – Oh, die hat aber einen tollen Style. Als ich dann dichter kam, habe ich gesehen, dass sie ein Shirt von mir trug, das war richtig cool.

 

Ist es besonders auf dem deutschen Modemarkt schwer Fuß zu fassen?

Es ist immer schwer am Angang, da darf man am besten gar nicht drüber nachdenken sonst lässt man es gleich. In Hamburg sind wir ein sehr kleiner Kreis und treffen uns auch unter den weiblichen Modeleuten, um uns auszutauschen. Wir gehen sehr ehrlich miteinander um, die Zeit, dass man so tut, alles wäre nur toll, ist vorbei, das entspricht nicht mehr dem Zeitgeist.

 

Wie sieht denn der neue Zeitgeist aus?

Der Feminismus spielt da total mit rein, der mir persönlich auch sehr wichtig ist. Grade, dass man sich austauscht und sagt: Zusammen haben wir eine Stimme, dass man sich traut sich selbstständig zu machen und sich dabei gegenseitig unterstützt. Das alte Konzept, wie man ein Label aufbaut, ist sowieso total überholt. Mein Traum ist es, dass auch Mütter bei mir arbeiten können, die nicht viel Zeit haben, dass jedes Arbeitstempo akzeptiert wird und man sich nicht gegenseitig die Augen auskratzt.

 

Spiegelt auch deine Kleidung deine feministischen Ansichten wieder?

Es gibt das Girlgang Shirt, aber eigentlich ist es eher meine Arbeitsweise in der sich diese Haltung wiederspiegelt, als dass ich Frauenpower Sprüche auf T-Shirts drucke. Ich möchte Frauen zeigen, wie sie auch auf anderen Wegen in den Feminismus finden, zum Beispiel durch Spiritualität.

 

Würdest du gerne etwas ändern in der Fairfashionwelt?

Fair Fashion ist ganz weit von Mode entfernt. Im Moment sind es noch viel die Hardcore Ökos, die diese Sachen kaufen. Dieser ganze Öko-Style muss da mal raus. Ich möchte Fair Fashion für jeden zugänglich machen und die Leute ein bisschen von H&M und Co. weglocken.

 

Was bedeutet „fair“ für dich?

Ich lege nicht nur Wert auf eine faire Produktion, sondern ich versuche auch ein faires Label aufzubauen. Ich glaube an das 5 Stunden Prinzip, damit kann man genauso effektiv arbeiten, wenn man konzentriert bei der Sache ist. Danach hat man noch Zeit für Freunde und Familie. Das Leben kann ja nicht nur Arbeit sein.

 

„Motherearth speaks through every flower“, steht auf einem deiner Hoodies, was steckt dahinter?

Mutter Erde steht für Weiblichkeit und Blumen für Naturverbundenheit. Was viele Leute nicht wissen ist, dass Blumen auch heilende Kräfte haben. Bei der Moon Collection musste ich an eine Mohnblume denken. Mohnblumen bringen Wunder in dein Leben.

 

Welche Wunder gab es bei dir dieses Jahr?

Ich hatte vier Bestseller – das Girlgang-Shirt, die Boots, der Hoodie und das Denim Shirt. Wenn als Newcomer gleich vier Teile von dir in den Medien sind, kann man das schon als kleines Wunder bezeichnen…

Josephine Bartels

Hi, ich bin Josi, 20 Jahre alt und studiere Modejournalismus. Zurzeit halte ich mich in Berlin auf und arbeite für PR Agentur. Da ich das Schreiben jedoch viel zu sehr liebe, lasse ich euch hier an meiner Liebe zur Popkultur auf schriftliche Weise teilhaben. Ganz nebenbei bin ich Musikfreak und Schallplatten süchtig.

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