Performance at its best – Paris Men’s Fashion Week Spring Summer 2018

Nicht umsonst fühlt sich der Gast der Pariser Fashion Week wie in einem riesigen Theater.

Als allerletzte Etappe auf dem Kalender der männlichen Frühjahrshows diesen Jahres, hat Paris seinen Status der Modestadt wieder einmal bestätigt. Atemberaubende Shows und Performances, sowie avant-gardistische Ideen standen mal wieder im Scheinwerferlicht der französischen Bühne . Hier sind unsere Favoriten der vielen Pariser Shows.

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Es ist schon unglaublich, dass ein paar Tage vor Thom Brownes erster Show in Paris, junge Schüler in England entschieden, der Direktion ihrer Schule zu widersprechen und in Röcken zur Schule anzutanzen. Was wie Telepathie wirkt, wurde vom britischen Designer zusätzlich noch mit hohen Schnürern für Männer getoppt. Absolutes Highlight? Der letzte Tuxedo, dessen Vorderseite aus einem klassischen schwarzen Anzug und  Hinterseite aus einem weißen, weiblichen Brautkleid bestand. Stay tuned, morgen wissen wir dann, ob dieses Kleid/ dieser Anzug auch bald in Deutschland getragen werden kann.

Kris van Assche, Chefdesigner der männlichen Kollektionen der Modemarke Dior, hat seine Kollektion in zwei Parts aufgeteilt. Der erste Teil bestand aus den klassischen Dior-Keylooks, welche die Marke letztlich ausmachen. Den Zweiten sähe man eher an jungen Teenagern. Was wir besonders mögen? Der dünne Schal mit eingewebter Adresse des Dior-Studios: 3, Rue de Marignan.

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Fragmentarische Kleidung. Tausend Stücke, die insgesamt eins ausmachen. Diese Metapher, wurde von der sich auf einmal in ein Wirbel des Chaos verwandelnde Show nochmals unterstrichen. Wie tausende von Molekülen, die ziellos umherschwirren, eilten die Models plötzlich in alle möglichen Richtungen. Lucas Ossendrijver habe hiermit für Lanvin demonstrieren wollen, wie die Art und Weise, wie wir uns informieren, sich in einen unendlichen Wirbel verwandelt, erklärte er später. “We are always checking; who’s where, what’s going on, it’s like every day you are waiting for something to happen.”

Die Koordinierheit des Show-Endes könnt ihr euch hier angucken.

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NO SHOW stand auf den Einladungen der Gäste von Vêtements, die sich am Eingang eines Parkhauses drängten, um dem Rätsel der Saison auf den Grund zu gehen. In einer Halle erwartete sie eine Fotoausstellung mit all den Bildern, die seit ein paar Tagen auf der Instagram Seite der Modemarke gepostet werden: Züricher, die die Kleider der Marke tragen. The master himself, Demna Gvasalia, war nicht präsent. Somit waren es eher die Gäste, die die Show an sich ausmachten, indem sie in ihren liebsten Vêtements Entwürfen zu diesem Event gingen.

Dadcore war hier das Schlüsselwort. Demna Gvasalia feierte für die französische Marke Balenciaga das Vatersein im dafür wahrscheinlich passensten Platz: der Bois de Boulogne, an der Pariser Grenze zu Boulogne Billancourt, der jeden Mittwoch Nachmittag – schulfreier Tag für Grundschulkinder in Frankreich – und jedes Wochenende von einer Welle an Vätern mit ihren Söhnen und Töchtern überschwemmt wird. Dadcore zelebriert den klischeehaften Wochenendlook des Familienvaters und genau dieser war hier, aus Blouson- und Bomberjacken, verschiedensten Hosen und Kombis, wie aus der Kleidersammlung genommen und zusammengewürfelt.

Die Show von Carol Lim und Humberto Leon, Kreativdirektoren der Marke Kenzo, war in einen weiblichen und einen männlichen Part geteilt. Die Pause zwischen den Beiden wurde dank einer unglaublichen Performance alles andere als langweilig. Paare tanzten auf der Fassade des Lycée… ein quasi waagerechtes Pas de deux. Unglaublich! Die Männermode griff die Vorlieben Kenzo Takadas, Gründer der Marke, in Form von klassischen Schnitten in bunten Mustern und Farben wieder auf. Eine schöne Hommage mit 83 asiatischen Models, die zum Teil extra eingeflogen wurden. Wer möchte, kann sich hier die Show ansehen.

 

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Bunte Disco-Lichter und glänzende Paillettenhauben. Clownhafte Schuhe und Jacken, die auf links getragen wurden. „What’s on the inside matters.“, so Rei Kawakubo für Comme des Garçons Homme Plus. Von bunten Schnürschuhen abgesehen, gab es auch Air Max 180, die einer Kooperation mit Nike entsprungen sind. Diese Kollektion zeigte mit einer ungeheuren Stärke – obwohl sie nicht für jeden Mann geschaffen ist – dass nicht nur Frauen sich mit Mode amüsieren können.

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Neue Stoff- und Farbkombinationen sind immer aufregend. Und genau dies hat Kim Jones für die männliche Frühjahrskollektion Louis Vuittons auf den Laufsteg gebracht. Hemden mit Hawaii-Print waren in Organza eingehüllt, was dem Stoff eine neue Dimension und Wirkung verlieh. Auch die männlichen Accessoires haben auf Instagram viel Aufmerksamkeit erhalten. Die männliche Linie der Marke etabliert sich fest in einer jungen Kundschaft, die wahrscheinlich hauptsächlich durch die Kooperation mit Supreme geangelt wurde.

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Der Preis für die monumentalste Show wird ohne Zweifel an Rick Owens für das enorme Konstrukt, das vor den Palais de Tokyo hochgezogen wurde. Ein Steg führte die Models sogar über das Wasser. Über seiner Kollektion sagte der amerikanische Designer, dass er sich in letzter Zeit viel mit Land-Art beschäftig habe, sowie mit der Suche des Menschen nach einer gewissen Ordnung in der Wildnis. Skulpturale Kreationen und neue Interpretationen des klassischen zweiteiligen Anzuges waren das Ergebnis dieser Auseinandersetzung mit letzterer Frage.

Hiermit schließt sich nun die Saison der Frühjahrsshows. Obwohl London dieses Jahr extrem interessant war, bleibt Paris unserer Meinung nach auf Platz 1. Was denkt ihr?

 

Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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