Pille-Falle: Wird Verhütung jetzt zur Männersache?

In den 60er Jahren war die Pille Symbol der Emanzipation. Endlich konnte frau selbst entscheiden, wann sie Kinder bekommt und so ihre Familienplanung ganz mit ihrem beruflichen Erfolg abstimmen. Sexuelle Freiheit? Na klar. Doch mit welchem Preis bezahlen wir dafür? Und ist es wirklich emanzipiert, wenn Verhütung Frauensache ist? Wo bleibt da der Mann?


Viele von uns nehmen schon seit Jahren die Pille. Uns wurde gesagt, es sei der einfachste Weg zu verhüten. Und das stimmt auch, wenn man bedenkt, wie leichtfertig ein Arzt so ein Rezept ausstellt. Man setzt sich hin, sagt man hätte gerne die Pille. Und zack, hält man schon den Zettel in der Hand. Das alles dauert keine 5 Minuten. Nur selten werden die zahlreichen Nebenwirkungen erwähnt, die von Lustlosigkeit über erhöhtes Thromboserisiko bis hin zu Lungenembolien reichen können. Stattdessen sagt man uns, unsere Haut würde besser werde, die Haare glänzender, die Brüste größer.
Wir werfen uns also jeden Tag diesen kleinen Hormoncocktail ein um hübscher und freier zu werden.

Freier – Das glaubte ich zumindest lange Zeit. Bis ich von Frauen hörte, denen die Haare ausfielen, nachdem sie die Pille abgesetzt haben. Aber auch von welchen, denen es plötzlich psychisch besser ging, die wieder Lust auf Sex hatten und sich ohne Pille freier fühlten. Erlöst von diesem ständigen Druck rechtzeitig an die Einnahme denken zu müssen.
Ich beschloss, mit dem Ende meiner Packung, mich ihnen anzuschließen. Ich hatte keinen Partner, niemanden mit dem ich mich regelmäßig getroffen hatte, also wofür sollte ich mich weiter mit Hormonen vollpumpen?

Wie es der Zufall will habe ich natürlich nur ein paar Woche nach Absetzen der Pille jemanden kennen gelernt. Wir fingen an uns regelmäßig zu treffen und früh über Verhütung zu sprechen. Ich sage ihm also, dass ich die Pille nicht mehr nehme. Entgegen meiner Erwartungen war er cool damit. Nicht ganz so cool war ich allerdings, als er mir sagt, dass er ernsthaft über eine Vasektomie nachdenke. Das sei schließlich die einzige Möglichkeit für den Mann die sichere Verhütung selbst in die Hand zu nehmen.

thore-norlander-53912Aber kann es das wirklich sein? Müssen sich Männer ihre Samenleiter durchschneiden lassen, bloß, weil sie nicht wollen, dass sich ihre Partnerin mit Hormonen vollpumpen muss? Gibt es da keine Alternativen?
Mir kommt das Thema Pille für den Mann in den Kopf. Doch auf Google findet man schnell zahlreiche Artikel über die Einstellung der Studien, auf Grund von zu vielen Nebenwirkungen – wollen die mich verarschen?! Ich recherchiere also weiter.  Das scheint es zu sein: ein Mittel, welches möglicherweise in ein paar Jahren auf den Markt kommt, für den Mann. Es heißt Vasalgel und ist eine Flüssigkeit, die in die Samenleiter injiziert wird, um sie so zu verschließen, dass keine Spermien mehr durch kommen. Abspritzen soll der Mann danach aber immer noch können. Und durch eine weitere Injektion könne man das Ganze ganz einfach rückgängig machen.
Warum also ist dieses Wunderzeug noch nicht auf dem Markt? Zum einen wurde das Mittel bisher nur an Affen getestet, jedoch sehr erfolgreich, keine Schwangerschaften und kaum Nebenwirkungen. Und zum anderen subventioniert die Pharmaindustrie die Forschung nicht, sie haben kein Interesse daran, ein Konkurrenzprodukt zur Antibabypille auf den Markt zu bringen. Denn mit deren Verkauf verdienen sie Milliarden.

Hoffen wir also, dass genug private Fördergelder zusammen kommen und Verhütung vielleicht schon bald nicht mehr nur Frauensache ist.

Photo by Thore Norlander on Unsplash

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Hanna Lüthi

Hallo ich bin Hanna

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