Was Paris noch so zu bieten hat

Den Tuileries Garten, den Eiffelturm, die Galeries Lafayette oder den Triumphbogen – jeder Mensch kennt mindestens eines dieser Pariser Wahrzeichen. Das Ende September 2016 von der Mairie de Paris, der Pariser Stadtverwaltung, veröffentlichte Video namens „Paris je t’aime” spiegelt genau diese Aspekte der Stadt der Lieber wieder. Was man jedoch wissen muss ist, dass viele Einwohner dieser mythischen Stadt nicht ganz mit dem dort dargestellten Image der französischen Hauptstadt einverstanden sind. Zwei junge Männer, Max & Léo, inszenierten als direkte Antwort ihre Wahrnehmung der Stadt der Lichter in „Paris, on t’aime aussi”.

Nichts ist einfacher, als Paris klischeehaft darzustellen. Ein Paar wacht in einem Pariser Hotel auf, sie besichtigen zusammen den Tuileries Garten. Ein junges Mädchen bestaunt ein Bild im Louvre, ein Junge macht ein Wettrennen mit dem Funiculaire von Montmartre, in dem seine Familie sitzt und ihn anfeuert. Auch der Eiffelturm fehlt natürlich nicht: Aufnahmen vom Feuerwerk der französischen Nationalfeier am 14. Juli oder vom freien Konzert, das David Guetta auf dem Champ de Mars zur Eröffnung der Fussball EM gegeben hat. Der Luxussektor ist auch nicht ausgeschlossen. Sequenzen aus den Modeschauen von den Herbst/Winter 2016 Kollektionen von Chanel, Dior und Balenciaga, drei Marken, die man auch als Pariser Wahrzeichen definieren kann, und Aufnahmen aus der Fundation Louis Vuitton im Bois de Boulogne, unterstreichen nochmal die Worte der Pariser Bürgermeisterin, Anne Hidalgo, „Paris must vibrate with fashion”.

Um ein jüngeres, vielleicht auch studentisches Publikum, anzusprechen, durfte natürlich auch nicht das bekannte Marais Viertel, die Pariser Märkte und der Canal Saint Martin, Epizentrum der Jugend während der warmen Sommernächte, fehlen.

Die Marie de Paris hat somit versucht, viele verschiedene Aspekte des Pariser Lebens in dieses Video zu inkorporieren. Dabei wurde der Fokus, dem Regisseur Léo Bigiaoui nach, viel zu sehr auf den luxuriösen Teil der Stadt gesetzt.

Seine Antwort dazu verfasste er in einem neuen Video, „Paris, on t’aime aussi”, das er am 14. Oktober 2016 auf Youtube stellte. Er thematisierte die junge Seite Paris auf einer viel intensiveren Art und Weise. Anstatt der Sequenzen aus Modenschauen wurden die Kulissen der Pariser Fashion Week, nämlich die Streetstyle Fotografie, der Teil der Modewelt, der für absolut alle zugänglich ist, dargestellt. Der Bahnhof Saint-Lazare, das Abendleben in den Bars oder auf grossen Konzerten, das Haus 59 auf der Rue de Rivoli (eine Künstlerhochburg) sowie Sex Shops und der Moulin Rouge auf dem Boulevard de Clichy stehen für einen Teil von Paris, der aus vielen Tourismus-Programmen gestrichen wird. Der Fischverkäufer, der auf einmal ein wunderschönes „C’est le bonheuhr!” von sich gibt und und die Einblendung von Jacques Brels Stimme, „On n’habite pas la cinquième ave nue, c’est évident” (Wir wohnen doch nicht auf der 5th Avenue, das ist doch klar!), verlegen den Fokus der Hommage an die französische Hauptstadt auf die Strasse, auf das Pariser Zusammenleben und vielleicht auch mehr auf den alltäglichen Teil der Stadt, der sich für hier für alle öffnet.

Die Mairie de Paris wollte die französische Hauptstadt, nach den multiplen Anschlägen und Drohungen auf Frankreich, als starke, kulturreiche Szene der Freiheit, als Ort der Freude und der Liebe darstellen. Paris muss den Tourismus-Sektor trotz der Terroranschläge aufrecht erhalten, und der Luxussektor ist nunmal ein Teil von Paris, der sehr viele Touristen anzieht. Dass sich nicht alle Pariser von dieser Inszenierung angesprochen fühlen und sich z.T. auch in ihren Alltagsbeschäftigungen, die kulturell nicht uninteressanter als die von der Mairie gewählten sind, etwas vernachlässigt fühlen, ist total verständlich. Léo Bigiaouis Antwort auf „Paris je t’aime” spricht eine andere Art von Touristen an und bietet dann doch einen guten Kompromiss. Vielleicht kommt ja bald jemand auf die Idee, beide Videos zusammenzuschneiden.

Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten in London oder Paris für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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