Was uns anzieht: Die Mode und ihre Mysterien 

„Einen rückenfreien Smoking erfinde ich sofort, aber wer will den schon? “ – Tom Reimer.

Mode, dieses auf den ersten Blick oberflächliche Etwas, das komisch in unserem Leben etabliert ist, absolute Qual, aber auch absolutes Glück symbolisiert und eigentlich nur ein Spiegel unserer Gesellschaft ist. Das Etwas, womit sich schon unzählige Schriftsteller des Mittelalters, französischen Realismus und Naturalismus des 19. Jahrhunderts bis hin zu der heutigen Zeit beschäftigen. Aber was ist der Sinn der Mode?

Als diese Frage Dienstag Abend im Bucerius Kunst Forum an Nora Gomringer, Barbara Vinken und Tom Reimer gestellt wurde, herrschte erst einmal Stille. Wie definiert man auch etwas, das uns alltäglich begleitet und das wir gar nicht wagen in Frage zu stellen?

Nora Gomringer, Autorin des neulich erschienenen Gedichtbandes MODEN, definierte dieses Unding als etwas, das uns in der Gesellschaft ermöglicht, Rollen einzunehmen.

Barbara Vinken, ebenfalls Autorin und Professorin für allgemeine und französische Literaturwissenschaft, schilderte den Begriff « Mode » als etwas, das Glück in die Welt einfügen kann und woran wir die Notion entwickeln, Gefallen an etwas zu empfinden. Und dieses Empfinden sei eine Form, miteinander umzugehen, die das Leben viel schöner mache.

Tom Reimer, in Hamburg etablierter Maßschneider, hatte eine andere Theorie. Nämlich, dass die Mode vielleicht gar keinen Sinn habe und das das Schöne an ihr sei.

Mode ist auf dem Männergebiet in Deutschland ein zweifelhaftes Terrain. Den wahrscheinlich interessantesten Standpunkt dazu hatte Barbara Vinken. „Frauen erscheinen, Männer sind.“ Bei einem Mann erwarten wir, dass der Anzug perfekt sitzt und seinen Träger in den Vordergrund bringt. Nur sind die meisten Männer einfach nicht modeinteressiert genug, um sich dem Thema komplett hinzugeben. Woran liegt das? Nun ja, bestimmt an der Tatsache, dass der deutsche Mann nicht mit der Angst klarkommt, dass er weiblich wirken könnte. Frauen sind ja schliesslich die modeorientierten Wesen, oder? Und die Eigenschaften einer Frau möchten sich nur wenige Männer zuschreiben.

Jedoch muss der deutsche Mann etwas wissen. Wie Barbara Vinken es auf den Punkt gebracht hat, ist die enge Silhouette, die heute unglaublich viele Männer in Form von skinny jeans, taillierten Hemden und schmalen Mänteln tragen, eine Ästhetik, die Hedi Slimane in seiner Zeit bei der männlichen Abteilung des Hauses Dior aus der weiblichen Couture entnommen hat. Somit hat sich die männliche Silhouette, die wir heute kennen,anhand der weiblichen voranentwickelt. Not bad, huh?

Am 24. September 2017 wird um 20 Uhr das Gespräch im „Sonntagsstudio“ auf NDR Kultur abhörbar sein.

Die Werke der Sprecher:

Nora Gomringer: MODEN

Barbara Vinken: Die Blumen der Mode, Angezogen

Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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