Ungeplant Vater – Nach 20 Jahren ein Blick in den Rückspiegel

Wie reagiert man auf eine ungeplante Schwangerschaft im Alter von 27 Jahren? Jack war keine 16 mehr, sondern ein junger Erwachsener, der eigentlich hätte Verantwortung übernehmen könnte. Aber wollte er das? 
Heute ist der 47-Jährige Kalifornier geschieden. Seine Exfrau lebt in Deutschland. Die gemeinsamen zwei Kinder bei ihm in Amerika. Vor ein paar Wochen hat er seinen mittlerweile 14-jährigen Sohn bei seiner Mutter in Baden-Württemberg abgesetzt. Gestern war er in Paris. Heute in Mailand. Morgen steht noch nicht fest. Derweil wacht seine 19-Jährige Tochter Bella mit ihrem Freund über das Haus in Kalifornien. Seinen IT-Job kann Jack von überallaus machen. Glücklicher Weise, denn er hat einiges nachzuholen. 

Das Leben der meisten 47-Jährigen Daddys sieht anders aus. Was hälst du von Traditionen?

Jack: Mh. Manche sind gut und andere sind weniger gut. Ich mag die familiären Traditionen, wenn es um Weihnachten, Thanks Giving und einfach das Zusammenkommen geht. Wenn zum Beispiel von Gleichheit in unserer Gesellschaft die Rede ist, könnten bestimmte Traditionen abgeschafft werden.

Bist du traditionell aufgewachsen?

In gewissen Punkten schon. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich drei Jahre alt war. Ich hatte immer eine sehr enge Beziehung zu meiner Mutter, obwohl sie weit weg wohnte. Aufgewachsen bin ich bei meinem Vater, der für das Militär gearbeitet hat. Es wurde damals nicht viel von mir erwartet: Komm gut durch die Schule und sieh zu, dass du nicht in den Bau wanderst! Ansonsten konnte ich tun und lassen, was ich wollte.

Und bei diesem Tun und Lassen hast du auf einer Party die Mutter deiner Kinder kennengelernt?

Ja, sie war ein Clubmädchen und so haben wir uns kennengelernt. Mein Dad hat mich diszipliniert erzogen und dafür gesorgt, dass ich Verantwortung für meinen Kram übernehme. Als sie plötzlich schwanger war, stand für mich also fest, dass ich auch meinen Teil erfüllen muss.

Trotzdem hättet ihr nicht heiraten müssen. Wie kam es dazu?

Ja, da wären wir wohl wieder bei Traditionen (lacht laut). Mein Vater hat es damals durchgesetzt, denn er war der Meinung, dass sobald Kinder im Spiel sind, die Ehe dazugehöre. Außerdem war da doch ein gewisser Druck von der restlichen Familie und der Umgebung. Heute lasse ich mir keinen Druck mehr machen. Ich lebe mein Leben.

Die Scheidung war trotzdem nicht einfach. Deine Frau hatte Lupus und die Autoimmunkrankheit machte ihr zu schaffen.

Ja, während unserer gemeinsamen Zeit hat sich die Krankheit in ihr breitgemacht. Das machte die Sache, sich trennen zu wollen, nicht einfacher, weil ich auch ihr gegenüber Verantwortung hatte. Heute ist sie mit einem neuen Mann sehr glücklich und sie ist nicht alleine. Eine Trennung ist nie einfach.

Auch bei einer Trennung spielen die Erwartungen von der restlichen Familie und Außenstehenden eine Rolle. Wie bist du aus diesem Druck von Konventionen ausgebrochen?

Ich bin anders!

Erzähl mehr!

Du stellst harte Fragen! Ich glaube es lag tatsächlich an der frühen Scheidung meiner eigenen Eltern. Ich saß schon als kleines Kind zwischen den Stühlen und musste mir früh über das Leben Gedanken machen. Wenn man sein eigenes Leben reflektiert und lange darüber nachdenkt, was man möchte und was nicht, dann fällt das Ausbrechen nicht schwer.

Wie sorgst du dafür, dass deine Kinder die Scheidung nicht als etwas Negatives aufnehmen?

Ich versuche es als Bereicherung zu verkaufen und sie zu einem regelmäßigen Kontakt zu ihrer Mutter „zu zwingen“. Ich bringe meinen Sohn jeden Sommer nach Deutschland, auch wenn er manchmal keine Lust hat und lieber in den Staaten sein möchte. Außerdem ist es etwas tolles Europa zu sehen und neue Kulturen kennenzulernen. Meine Tochter Bella war mit ihrer Mutter in Frankreich und möchte jetzt vielleicht dort hinziehen, weil sie die Sprache so liebt. Das finde ich klasse!

Bella ist jetzt 19 Jahre alt und sie und ihr Freund leben beide bei dir. Was würdest du sagen, wenn sie jetzt schwanger wird?

Ich wäre enttäuscht. Nicht direkt von ihr, aber in gewisser Weise für sie. Wir haben neulich noch darüber gesprochen und daher weiß ich, dass sie keine Kinder möchte bis sie 30 ist. Sie  vor dieser Entscheidung stehen zu sehen würde mich traurig machen. Ich würde sie aber in jeder Hinsicht unterstützen und ihr Ratschläge geben!

Gibt es auch einen Ratschlag, den du deinem jüngeren Ich geben würdest?

Warte mit dem Kinderkriegen, lebe dein Leben und lerne so viel du kannst. Kinder sind etwas Großartiges und ich möchte meine nicht missen, aber es ist wichtig, sein Leben gelebt zu haben und nicht immer mit dem Strom zu schwimmen.

 

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Derbleu.com möchte ich trotz Vollzeitjob weitermachen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

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