Luxusmarken: Der Unterschied zwischen Preis & Wert

Königsallee in Düsseldorf: Eine blondierte Frau läuft mit einem pinkgemusterten Hermès-Tuch über den Bürgersteig. Ihre Louis Vuitton ist eine klassische Alma und vom Print des Labels geziert. Die Mary Janes zeigen bei jedem Schritt die rote Sohle, das Markenzeichen von Christian Louboutin. Ein ähnliches Bild auf der Ehrenstraße in Köln, dem Jungfernstieg in Hamburg und der Maximilianstraße in München. Die geschätzten Ausgaben für dieses Luxus-Outfit: 10.000 Euro. Aber ist es das auch wert?

Was bestimmt den Preis?

Dass die obengenannten Luxusmarken teilweise in den selben Produktionsfirmen, wie H&M, Zara und Co. herstellen, ist kein Geheimnis mehr. Diejenigen, die diese Tatsache nicht kennen, wollen sie nicht kennen. Mit jedem Kauf trägt man als Verbraucher Verantwortung und zwar für die Frauen, die das Material in großen Hallen weben und für die Kinder, die „dank“ ihrer kleinen Hände besonders flink an den Maschinen arbeiten können. Es stellt sich die Frage, wie der Preis zum Beispiel eines T-Shirts entsteht: 50% sind reiner Gewinn für das Unternehmen, 25% werden in Werbemaßnahmen für die Luxusartikel gesteckt, hinzukommen Transport (11%) und Fabrikkosten (13%) und 1% bleibt für den Lohn in der gesamten Herstellung übrig. Welche dieser Zahlen enthält nun das Wort „Qualität“ und wie viel Geld wird darein investiert?

In den letzten Jahren ist der Preis einer Tasche der Marke Louis Vuitton um die 70% auf 3.500 Euro gestiegen. Ein Trinity-Goldarmband vom Luxusjuwelier Cartier kostet heute knapp 12.000 Euro und somit 48 Prozent mehr als im Jahr 2009. Die Zahlen steigen rapide. Werden die Markenartikel durch höhere Preise tatsächlich attraktiver? Während Produkte im mittelklassigen Segment schon bei der kleinsten Erhöhung mit Kundenverlust rechnen müssen, scheint die Masche hier zu funktionieren. Bislang zumindest: Nicht nur die Luxusmarke Gucci verlangsamt ihr Wachstum um 2%, sondern auch Louis Vuitton muss einstecken.

Wie reagieren die Kunden dieser Marken darauf?

Ich habe nachgefragt:

Jasmin Jeong (28) ist Halbkoreanerin und trägt eine Speedy-Bag von Louis Vuitton.

R: „Wann hast du dir diese Luxustasche zugelegt?“

J: „Die habe ich schon ewig! 2008 vielleicht?“

R: „Verrätst du mir, was damals auf dem Preisschild stand?“

J: „Das waren damals 450 Euro! Ich habe sie neulich im Store gesehen und jetzt kostet sie 660 Euro!“

R:“ Der Preisunterschied der Luxusware ist die also schon aufgefallen. Was sagst du dazu?“

J: „Naja, ich bin froh, dass ich sie mir damals gekauft habe! Gute Sachen gewinnen mit der Zeit eben an Wert.“

Für die Luxusmarken scheint der Plan also irgendwie tatsächlich aufzugehen. Trotzdem gibt es aktuell einige „Gegner des Luxussektors“, die den Konsumenten eine andere Rechnung ausstellen. Designer Demna Gvasalia hält zurzeit die Kreativzügel des Traditionshauses Balenciaga und der französischen Marke Vetements in der Hand. Anfang des Jahres überraschte er mit einer (original) IKEA-Tasche im Wert von 1.900 Euro. Dafür kann man sich in dem schwedischen Möbelhaus eine neue Wohnung einrichten. Auch die aktuelle Vetements SS18 Kollektion zeigt, wie sehr er die Modeindustrie in ihrem Luxus auf die Schippe nimmt: Züricher „Normalsterbliche“, die sonst genauso viel mit Luxusmode zu tun haben, wie Anna Wintour mit dem 1-Euro-Shop, posieren in seinen Kreationen für die Kamera auf der Straße. Von den saisonalen Fashionshows hat sich der Designer verabschiedet und präsentiert seine Marke lieber in Form von großen Fotos in einem Pariser Parkhaus und auf dem Instagram-Account.

Vetements

 

Auch seine Mode geht für mehrere 1000Euro über die Verkaufstheken, der Unterschied ist allerdings, dass man mit genauer Beobachtung die Originalversionen, wie die Ikea-Tasche, auf der Straße zu einem Spottpreis finden kann.
Leider sind diese Produkte für die Augen des Luxussektors dann nicht sichtbar und sie müssen sich schlicht und ergreifend mit dem Fake für ein paar tausend Euro abfinden.

 

Photo by NeONBRAND on Unsplash

Autorin: Ronja Ebeling

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Obwohl ich damit schon gut ausgelastet bin, kann ich Derbleu.com einfach nicht links liegen lassen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

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