Dalí – zwischen Narzissmus und Genie

„Wiederholen Sie den Namen Piet Mondrians. Piet, Piet, Piet, Piet, und auf einmal hören wir „Niet“, also „Nein“ auf Russisch. Wiederholen Sie mal Dalí mehrmals hintereinander. Sie werden nur noch “Da” hören. Und das bedeutet “Ja” auf Russisch. Mehr muss ich dazu dann auch nicht sagen.“

Autodiktat, absoluter Eklektiker und auch starker Egozentriker war der 1989 verstorbene Künstler Salvador Dalí. Sein Name wird sehr oft nur in Verbindung mit schmelzenden Uhren und surrealen Darstellungen gebracht. Dabei verbirgt sich vieles mehr hinter diesem Maler, dessen Schnurbart heute sein bestes Erkennungsmerkmal bleibt.

 

Salvador Dalí konnte Piet Mondrian, der 1930 für seine bunten Kompositionen, die Yves Saint Laurent auch später auf Kleider drucken ließ, international bekannt wurde, absolut nicht ausstehen. Stolz malte er ganze Tabellen auf, in welchen er sich selber mit den größten Künstlern maß, indem er die Werke letzterer sowie seine benotete. Während er seine eigenen Bilder stets nur etwas schlechter als die von Malern wie Velazquez bewertete, blieb Mondrian in der letzten Reihe der Tabelle mit einer durchgehenden null hängen. Neid oder abgründiger Hass? Das weiß keiner so genau. Klar ist: señor Dalí konnte sich nicht mit der minimalistisch modernen Ästhetik, die Mondrians Werke dominiert, anfreunden. Somit ist Minimalismus das allerletzte Wort, das den Besuchern seines Hauses in Port Lligat an der Costa Brava einfallen würde. Das große Anwesen, das er mit seiner Frau Gala bis zu ihrem Tode 1981 bewohnt hat, ist durch und durch mit ausgestopften Tieren, Miniaturstühlen – die das kinderlose Paar jahrelang sammelte – Werken des Meisters himself sowie mit Relikten aus allen möglichen Epochen gefüllt. Am interessantesten bleibt jedoch sein Atelier, das einzige Atelier, in dem er jemals gearbeitet hat. Dalí malte nur im Sitzen, sodass er für diesen Raum, der sich im ersten Erdgeschoss befindet, ein Mechanismus entwickelt hatte, der es ihm ermöglichte, auch im Sitzen an großen Werken arbeiten zu können. Eine feine Öffnung im Boden unter der Staffelei, die seine Leinwände beherbergte, ermöglichte mithilfe einer Seilscheibe die gerade bemalte Leinwand beliebig hoch und runter zu fahren.

Obwohl seine Werke das Haus schmücken, ist die Aura seiner Frau Gala eindeutig zu spüren. Diese zwei wie füreinander geschaffenen Menschen, haben um sich rum ein Emperium aufgebaut, wo sie die Muse und er der Künstler war. Obwohl sie auf gemeinsamen Interviews fast abwesend wirkt, war sie Dalís größte Unterstützerin und seine alltägliche Inspiration, dessen Jugend und Weiblichkeit und er in unzähligen Werken verewigt hat. Diese Liebe, diese Hingabe, steht in jedem Raum dieses Hauses wie an die Wand geschrieben und verzaubert die posthume Autorität dieses weltberühmten Künstlers, dessen künstlerischer Optimismus, dessen Determinismus und Selbstliebe, die Welt der bildenden Kunst für immer und ewig prägt.

 

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Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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