Wie konsumieren wir Kunst heute?


Junges Mädchen, ungefähr sechzehn Jahre alt. Hinter ihr befindet sich eine Installation Bill Violas, die sie direkt anstrahlt. Sie geniesst die Aura, die der Künstler aufbaut, das Gefühl, das er dank seines Werkes vermittelt und später dann die Likes, die ihr das jetzt auf dem iPhone ihrer Freundin entstehende Bild auf Instagram bringen wird.

Von Verständnis kann hier nicht die Rede sein. Dafür müsste man sich in Tiefe mit dem Thema beschäftigen. Aber das tut schon lange keiner mehr. Viel mehr stellen wir unsere Opulenz dank etwas dar, mit dem wir uns oberflächlich beschäftigen. Aber was bedeutet unsere Einstellung für Kultur, für die Welt der Kunst und auch für unser persönliches Wissen?

Das Ziel von Kunst ist es nicht, alle Schichten der Gesellschaft durchzudringen bis sie jeden Bewohner dieses Planeten erreicht hat. Manche werden kontern und sagen, dass Kunst doch nur rein ornamental sei und man nicht so ein big deal daraus machen sollte, sie zu verstehen. An die Wand hängen, bewundern, fertig damit.

Es wird nicht nur ins Wohnzimmer gehängt, sondern mittlerweile auch auf hochpreisigen Handtaschen gedruckt. Ganz revolutionär ist das Konzept nicht. Schliesslich kann man schon seit sehr langer Zeit im Louvre einen Stoffbeutel kaufen, von welchem die Mona-Lisa auf einen runterschaut. Aber das selbe, mit einem Louis Vuitton Logo geschmückt besitzen wahrscheinlich die wenigsten.  Das französische Label hat im April 2017 während eines exklusiven Dinners seine neue Kollektion und Kooperation mit Jeff Koons, dem reichsten Künstler der Welt, enthüllt. Unter dem Namen “Les grands maîtres” wurden das Canvas der ikonischsten Taschenmodelle des Luxuslabels mit den berühmtesten Werken multipler Künstler bedruckt. Fragonard, Titian, Rubens, Van Gogh und Da Vinci wurden mit dieser posthume Aktion geehrt. Bonus im Inneren dieser Taschen, deren Preise durchschnittlich bei 2000 bis 3000 Euro liegen? Lektüre im Inneren der Tasche in Form einer Biographie mit Autoportrait des Künstlers, Erklärungen zum ausgewählten Werk und – cherry on top – eine Biographie Jeff Koons. Koons wie er liebt und lebt: Kitsch, Ironie und Glamour.

Durch solche Aktionen wird Kunst zum Schaustück für den Alltag und in seiner strikt dekorativen Funktion eingegrenzt. Aber muss die Entführung der Kunst aus dem Alltag so einengend sein?

Da sie nicht plakativ an alle U-Bahn Wände geheftet werden kann, flüchtet sie in die Welt der social media. Auf Instagram und auf Facebook bezahlen wir nicht mit Geld, sondern mit unserer Zeit, um Neues zu entdecken. Stundenlang scrollen wir immer weiter runter. Und wenn unser Blick mal auf einem Kunstwerk haften bleibt, befindet es sich meistens innerhalb eines Memes.

Wir schmunzeln, kennen aber das gesamte Werk nicht. Was uns interessiert ist das, was wir auf die Schnelle mitkriegen: der witzige Gesichtsausdruck. Und schon wird weitergescrollt. Natürlich gibt es Instagram accounts, die sich nicht auf lustige Bildausschnitte limitieren, sondern auch den Namen des Künstlers, das Jahr des  Werkes und gegebenenfalls noch zusätzliche Informationen liefern.

Paintings.daily, artgarments und historiadelart sind nur drei Beispiele dieser Accounts. Sie bieten einen angenehmen Ausgleich zur gewaltigen Welle an Memes, die uns zum Lachen bringen, unseren Horizont aber nicht erweitern.

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Juliane Clüsener-Godt

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