WELCHE HOSEN HAT ER AN?

Ein Plädoyer für die mehrfarbige Hose in der männlichen Garderobe

Wenn es eine einzige Sache gibt, die in den männlichen Alltagslooks vernachlässigt wird, dann ist es tatsächlich Farbe. Guckt mal in der U-Bahn um euch rum. Schwarz, noch dunkleres Schwarz, verblasstes Schwarz und dasselbe Schema nochmal in blauen oder grauen Nuancen. Nie auch einen Tupfen Farbe unterhalb der Gürtellinie – zumal es oberhalb schon echt selten ist.

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Calvin Klein by Raf Simons, Spring 2018

Und hier kommt Monsieur Simons ins Spiel. Der belgische Designer, der nach zwei Jahren an der Spitze des Modehauses Christian Dior zum Label Calvin Klein wechselte, präsentierte letzte Woche seine zweite Kollektion für das amerikanische Modehaus. Neben den genialen Interpretationen von Horrorfilmen in Form von Kleidung wurde jedoch ein Element von Modekritikern vollkommen übersehen: die vierfarbigen Hosen, die zugleich von einer Frau als auch von einem Mann präsentiert wurden.

Auf die weibliche Notion werden wir hier gar nicht erst mal eingehen, denn Frauen sind Männer im Thema Mode um einiges voraus: sie tragen wenigstens Farbe.

In der von „echter Männlichkeit“ und Virilität geprägten Männerwelt, gelten Looks vom Catwalk sowieso als etwas, das seriöse Hosenträger nicht faszinieren kann. Alleine der Titel eines Zeitungsartikels zur letzten männlichen Modewoche in Mailand ließ mich neulich zur Decke springen. „Mode“ für Männer“. Ja bitte, streut doch noch mehr Salz in die Wunde, sodass absolut kein sich respektierender Mann mehr ein Auge auf Runway-Mode wirft!

Die erste Kollektion von Raf Simons für Calvin Klein, Herbst-Winter 2016, lud auch schon die Männer zum Farbetragen ein. Nur etwas impliziter. In Form von zweiteiligen Anzügen oder eines durch einen Mantel gut entschärften bunten Beinspieles, wurde die Farbe, ohne dass sich der heterosexuelle Mann vor Entsetzen die Hände vor die Augen hält, auf den Laufsteg geschickt. Clever, clever, mister Simons.

Der nächste coup des Meisters war hart und explizit. Ein männliches Outfit mit mehr als sieben Farben? Das kann man doch schon fast als Hilfeschrei zur Nutzung von Farbe deuten. Und da Hilfeschreie nur dazu da sind, die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, muss man sie in ihrer Kraft üblicherweise um 50 Prozent reduzieren. Minus die Hälfte besteht dieser Look also nur noch aus einer vierfarbigen Hose – das Hemd heben wir uns für ein anderes Mal auf.

Vier Farben, vier Statements, vier Gründe die Hose zu tragen.

Hellblau, die Farbe des Himmels und der Vergissmeinnicht, beherrscht die Fähigkeit, ohne die Stimme zu erheben, gehört, oder eher gesehen zu werden. Wir haben natürlich nicht vergessen, dass letzte Saison ein Model im zweiteiligen Anzug auch diese klassische Farbe zum Sound von David Bowies „This is not America“ präsentieren durfte.

Dunkelbraun ist schon eher eine Farbe, die als alltäglich bezeichnet werden kann. Braune Hemden oder Hosen im dunklen Menschenmeer der morgendlichen Rush Hour zu erhaschen, ist alles andere als selten. Die Magie der gedeckten Farben erschließt sich spätestens im Büro, wo man mit dieser absolut nie fehl am Platz ist. Also seid ihr mit der Vorderseite eures linken Beines in Braun eingehüllt schon mal zu fünfzig Prozent auf festem Boden.

Grasgrün. Schwierige Sache. Wir werden es jetzt folgendermaßen sehen: Grün ist die Farbe der Hoffnung, der Fruchtbarkeit, also ein positiver Start. Wir werden euch aber nicht anlügen: Grasgrün zu tragen ist in unseren Augen schon sehr mutig. Dieser Ton schreit nur so nach Aufmerksamkeit und ist kein einfacher Einstieg in die Welt der Farben. Der Sprung ins kalte Wasser stellt sich aber als weniger erschreckend heraus als anfangs gedacht. Schließlich ist ja nur ein Viertel der Hose betroffen.

Und zu guter Letzt: Weiß. Farbe der Reinheit und Unschuld, die das bunte Spiel wieder beruhigt.  Die Balance ist gefunden.

Ein gut getimtes Beinspiel kann nur positive Folgen haben. Das beweisen uns die blauen Shorts und die scharlachroten Socken der französischen Nationalfußballmannschaft nur zu oft. Warum auch nicht wieder den Franzosen hinsichtlich der Mode folgen und etwas Farbe wagen?

Juliane Clüsener-Godt

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