Intersexualität: Das dritte Geschlecht

Das Bundesverfassungsgericht hat mit der jüngsten Entscheidung bestimmt, dass künftig ein dritter Geschlechtseintrag im Geburtenregister möglich sein wird.

Der Deutsche Ethikrat forderte bereits vor einigen Jahren die Intersexualität als zusätzlich mögliches Geschlecht neben Mann und Frau. Seit 2013 darf diese Stelle in der Geburtsurkunde leer bleiben. Das ist auch der Grund, warum der Verfassungsgerichtshof bei einer Quote von 1:500 die Zahl der 160.000 Betroffenen nur grob schätzen kann.

Zwischen den Geschlechtern geboren

In der siebten bis neunten Schwangerschaftswoche bildet der menschliche Embryo Eierstöcke oder Hoden. Wenn der Säugling einige Monate später das Licht der Welt erblickt, reicht der pauschale Blick auf die Genitalien nicht aus, um festzustellen, ob es ein Junge oder Mädchen ist. Das menschliche Geschlecht hängt von vielen Faktoren ab: Eine eindeutige Diagnose wird mithilfe einer Blutuntersuchung gemacht, in der Gene und Hormone genau analysiert werden. Diese Untersuchung ist bei einer Geburt jedoch keine Routine, weshalb die Intersexualität oft erst Jahre später festgestellt wird. Bei einer jungen Frau kann es also durchaus der Fall sein, dass die Hoden in den Bauchraum wachsen und das wahre Geschlecht erst im Zuge der Pubertät deutlich wird, wenn der Körper anfängt vermehrt Testosteron zu produzieren. In sehr seltenen Fällen hat ein Mensch sogar Eierstöcke und Hoden. Man spricht dann von Hermaphroditismus verus.

Der Unterschied zwischen Transsexuellen, Transgender-Identität und Intersexualität

Diese Personengruppen lassen sich nicht alle in einen Topf schmeißen. Menschen mit einer Transgenderidentität fühlen sich weder durch das weibliche noch durch das männliche Geschlecht gut genug beschrieben und möchten sich nicht zuordnen lassen. Rein biologisch wäre das allerdings möglich. Bei Transsexuellen stimmt das biologische Geschlecht nicht mit dem psychischen überein. Sie fühlen sich ihrem natürlichen Geschlecht falsch zugeordnet, stecken im falschen Körper und versuchen dies mit operativen Eingriffen und hormonellen Behandlungen zu ändern.
Intersexualität bezeichnet die Undeutlichkeit des Geschlechts, die entweder hormonell, genetisch oder durch eine Fehlbildung bedingt ist. Sie sind also bereits zwischen den Geschlechtern geboren.

 „Ich bin stolz darauf, intersexuell zu sein!“

Das belgische Model Hanne Gaby Odiele ging mit ihrer Intersexualität bereits im Januar 2017 an die Öffentlichkeit und will Anderen Mut machen. Sie wurde mit einem Hoden im Bauchraum geboren, der ihr im Alter von zehn Jahren operativ entfernt wurde. Weitere Eingriffe sollten die Entwicklung eines „normalen“ Mädchens garantieren. Heute sagt Hanne Gaby Odiele, dass die Operationen sie traumatisiert hätten. Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität belegt, dass die Zahl kosmetischer – also nicht medizinisch notwendiger – Eingriffe an intersexuellen Kindern bei rund 1700 Operationen pro Jahr liegt. Die Patienten leiden danach oft an psychischen Folgen.
1966 gewann die Skiläuferin Erika Schinegger den Weltmeistertitel und weitere Weltcups. Dass die Österreicherin eigentlich männlich ist, kam erst 1968 bei einem medizinischen Test heraus, worauf die Aberkennung des Weltmeistertitels folgte. Erika entschloss sich für einen operativen Eingriff und wurde zu Erik.

Können Intersexuelle eigene Kinder bekommen?

Für die meisten Betroffenen ist die Zeugung eigener Kinder nicht ohne weiteres möglich. Hierbei kommt es auf die Ausprägung der Geschlechtsorgane an und ob die nötigen Keimdrüsen vorhanden sind. Allerdings kann in Einzelfällen auch durch Hormonpräparate oder einer künstlichen Befruchtung nachgeholfen werden. Inwieweit das jedoch ethisch vertretbar und vom deutschen Embryonalschutzgesetz gestattet ist, wird im Einzelfall bestimmt.

Reform wird bis Ende 2018 umgesetzt

Bis Ende 2018 wird die Neuregelung in Kraft treten und das dritte Geschlecht kann im Geburtenregister als „inter“, „divers“ oder ähnliches eingetragen werden. Dabei soll es sich um eine positive Bezeichnung handeln, mit der sich Betroffene identifizieren können. Deutschland wäre dann das erste europäische Land, welches das dritte Geschlecht als solches anerkennt.

 

Autorin Ronja Ebeling

Photo by Michael Prewett on Unsplash

 

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Derbleu.com möchte ich trotz Vollzeitjob weitermachen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

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