Leerer Akku: Burnout kann jeden treffen

Es ist mehr als nur Stress. Es ist das Gefühl völliger emotionaler Erschöpfung, Schwäche und Überforderung. Rund ein Drittel der Beschäftigten kennen dieses Gefühl, so die  neue Erkenntnis des AK-Arbeitsindexes. Dabei ist es nicht der Job, der uns krank macht, sondern ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Das merken nicht nur Azubis, Mütter und Spitzensportler.

Jannis hat sich nach seinem Abitur für eine Ausbildung im Event Management entschieden. Er war ambitioniert, voller Energie und hatte vor allem Lust auf den Job. Nach dem ersten Jahr stand Jannis am Abgrund und seine cholerische Chefin brachte ihn an seine persönliche Grenze. 12 Monaten versuchte er den Spagat zwischen Büroarbeit am Tag, Events am späten Abend bis in die Nacht hinein und den Erwartungen in der Berufsschule zu meistern. In vielen Unternehmen werden die Rechte von Auszubildenden beschnitten: Sie werden oft als volle Mitarbeiter eingesetzt, dessen Gehalt jedoch weit vom Mindestlohn entfernt ist. Jannis Beziehung ging in die Brüche, er weinte auf der Bürotoilette und musste im Alter von 21 Medikamente gegen Bluthochdruck nehmen. Das Ergebnis ist ein junger Mensch, der bereits in den ersten Jahren seiner Karriere vollkommen ausgelaugt ist. Heute weiß er, dass er seine Grenzen früher und klarer hätte ziehen sollen: „Ich wollte im ersten Job einfach alles gut machen und meine Vorgesetzten zufrieden stellen. Heute weiß ich, wie wichtig der Ausgleich ist und dass es auch in der Verantwortung des Arbeitgebers liegt, diesen zu gewährleisten. Das vergisst man als Berufseinsteiger.“

Unterschied von Mann und Frau mit Burnout-Erkrankung

Laut mehrerer Studien seien Frauen öfter betroffen als Männer. Professor Dr. med. Götz Mundle, Medizinischer Geschäftsführer der Oberbergkliniken Berlin, weist jedoch darauf hin, dass Frauen öfter über ihre Symptome sprechen und schneller Hilfe suchen. Bei Frauen spielt die eigene Erwartung und die des Umfelds immer noch eine große Rolle. Sie haben an sich selbst den Anspruch, die Doppelbelastung von Familie, Haushalt und Beruf gleich gut zu managen. Der Experte erkennt zwischen den Geschlechtern ein unterschiedliches Krankheitsbild: „Während Frauen in die Depression geraten, greifen Männer eher zum Alkohol und entwickeln eine Suchtproblematik.“

Leistung macht krank

Wenn es um psychische Erkrankungen geht, muss man sich selbst schützen lernen. Dazu gehört zu wissen, wo die persönlichen Grenzen liegen. Ehrgeiz ist gut, aber das Streben nach Bestätigung und Perfektion kann verheerend sein. Der Psychiater Karl-Jürgen Bär ist Spezialist für die Behandlung depressiver Leistungssportler. Ob Fußballer Jan Simak, Skispringer Sven Hannawald oder Triathlet Jan Frodeno – auch Sportler leiden unter dem Burnout-Syndrom. Dauerhaft 100-prozentige Leistung bringen, schaffen auch Profis nicht und sie drohen in eine Abwärtsspirale zu rutschen.

In den Jahren 1999 bis 2010 ist die Anzahl von psychischen Erkrankungen um 80% gestiegen und schlägt nun sogar auf die jüngste Generation über: Jedes zweite Schulkind soll unter Stress leiden.

Das alles sind Belege dafür, dass wir, egal wer wir sind, unserer schnelllebigen Zeit und den immer größer werdenden Erwartungen ein Ende setzen müssen. Jannis hat seine Ausbildung bei der Eventfirma zwar beendet, sich danach aber einen neuen Arbeitgeber gesucht. Heute ist er 24 und immer noch in therapeutischer Behandlung. Der psychische Stress kommt in Schüben, die er weder sich, noch seiner neuen Freundin erklären kann.

Ronja Ebeling

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s