Kommunikation: Unsere Sprache hat Hand und Fuß

Wie wir lernen, die nonverbalen Signale unseres Gegenübers zu lesen und dieses Wissen manipulativ im Alltag einzusetzen

1998: Nachdem Amerika unter ihm einen Aufschwung erlebte, musste sich Präsident Bill Clinton einer gerichtlichen Befragung zu den Vorwürfen sexueller Belästigung einer Regierungsangestellten und der Affäre mit einer Praktikantin stellen. Obwohl der Politiker ein geschulter Medienexperte ist, konnten die Psychologen es ihm am Gesicht ablesen, wenn er nicht die Wahrheit sagte. Präsident Bill Clinton fasste sich während der Befragung für ihn ungewöhnliche 26mal an die Nase und runzelte dabei die Stirn. Hatte der damalige Präsident etwa Angst, dass ihm eine besagte Pinocchio-Nase wächst? Denn das Prozessurteil war die Bewahrheitung der außerehelichen Affäre.

Embed from Getty Images
Beim Lügen werden verschiedene Reize im Körper ausgelöst, die uns nervös machen. Dazu gehört auch eine erhöhte Durchblutung des Kopfes, die wir unbewusst als Juckreiz wahrnehmen und uns deswegen zum Beispiel an die Nase fassen. Das Lügen steht uns also ins Gesicht geschrieben.
Dieses Verhalten ist schon im Kindergarten zu beobachten, erläutert  Karin Hauffe-Bojé, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychatrie aus Bremen. Fragt die Erzieherin den kleinen Max, ob er es war, der die Schokolade seines Freundes gegessen hat, verneint dieser und hält dabei die Hand vor den Mund. Unbewusst weiß das Kind, dass es die Wahrheit sagen sollte und möchte mit der Geste verhindern, dass die Lüge aus seinem Mund kommt. Wenn es dann der tadelnden Erzieherin nicht zuhören möchte, verdeckt es seine Ohren oder legt in vereinfachter Form ein Ohr auf die hochgezogene Schulter.

Dieses Verhalten ist auch bei Erwachsenen zu beobachten: Wenn eine Führungskraft von einem Mitarbeiter auf einen mangelhaften Zustand im Unternehmen aufmerksam gemacht wird, es aber nicht zugeben möchte, fasst sich dieser in einer kurzen Bewegung zuerst ans Ohrläppchen, bevor er den Mitarbeiter anlügt. Da er in seiner Position oft eine große Verantwortung gegenüber  der Belegschaft trägt, wäre es aber auch unklug immer die Wahrheit zu sagen.
Die Wissenschaft unterscheidet hier zwischen weißen und schwarzen Lügen. Im Zweiten handelt es sich um Selbstgerechtigkeit, bei der die lügende Person auf Kosten der Anderen handelt und sich selber besser darstellen möchte. Wenn es darum geht das Miteinander nicht zu schädigen oder eine Person nicht zu verletzten, sprechen wir von weißen Lügen, die „positive“ Folgen mit sich bringen. Der Chef möchte zum Beispiel seinem Mitarbeiter nicht sagen, dass gewisse Zahlen im Keller sind, weil er ihn nicht beunruhigen und damit seine Leistung beeinflussen möchte. Er erhofft sich dadurch ein besseres Arbeitsklima und den schnell wiederkommenden Erfolg für das Unternehmen. In einer aktuellen Studie haben jedoch Forscher des San Diego Emotion Lab herausgefunden, dass sich auch die gutgemeinten Unwahrheiten negativ auf unsere Gesundheit und unser  Wohlbefinden auswirken. Interessant ist auch, dass Frauen eher zu den weißen und Männer zu den dunklen Lügen tendieren. Frauen wird eine höhere Empathie zugeschrieben, wodurch sie sich selbst in den Hintergrund stellen. Die amerikanische Psychologin Bella DePaulo gewann die Erkenntnis, dass ein Mensch zweimal täglich nicht ganz die Wahrheit sagt. Dabei wiegen wir immer die Folgen ab: Soll der Arzt seiner Patientin von den Placebos berichten, die ihr immer so gut helfen?

Die Handflächen als Stimmbänder des Körpers

Nach Albert Mehrabian beruht die Aussagekraft des Gesagten zu 55 Prozent auf der Körpersprache, 38 Prozent auf der Stimmlage und nur 7 Prozent auf dem Kommunikationsinhalt. Experten wissen, dass die Hände dabei eine große Rolle spielen.

Wenn der Pastor in der Kirche predigt, erhebt er dabei seine offenen Handflächen und möchte damit seine Ehrlichkeit zur Schau stellen. Der Körper assoziiert damit die Wahrheit, wohingegen Lügende oft ihre Hände hinterm Rücken oder in den Hosentaschen verstecken. Der aktuelle FDP-Spitzenkandidat Lindner achtete bei seinem Wahlkampfabschluss am 23.09.2017 darauf, seine Handflächen zu zeigen und seinen Wählern eine ehrliche Politik zu versichern. Der SPD-Kollege Schulz hielt bei den kritischen Publikumsfragen in der Klartext Ausstrahlung im ZDF die Hände vermehrt hinterm Rücken. Vielleicht ist das Rekordtief der Partei also auf die negative nonverbale Kommunikation zurückzuführen?

Man darf nicht vergessen, dass die Wahrnehmung der Handflächen auch mit den historischen Hintergründen im Zusammenhang stehen. Beim Hitlergruß der Nationalsozialisten zeigte die Hand nach unten, wobei die Geste ein Symbol für Macht und Tyrannei war. Wenn Adolf Hitler mit den Handflächen nach oben gegrüßt hätte, wäre er von niemandem ernst genommen worden.

brust

 

 

 

 

Das Phänomen der sprechenden Gestikulation hat aber nicht nur in der Politik Hand und Fuß, sondern auch im Alltag: Ein Mann, der mit einer Frau mit großer Oberweite redet, vermeidet es bewusst auf die Rundungen zu starren, während er mit den Händen grabschende Bewegungen macht. Hier stehen die Körpersignale im klaren Gegensatz zueinander und nur ein aufmerksamer Beobachter nimmt sie wahr.

pexels-photo-247858

 

 

 

 

So kann er durch das Händchenhalten eines Paares auch genau sagen, wer in der Beziehung den dominanteren Part übernimmt: Der Mann hat seine Hand meist auf die der Frau. Ganz egal, wie weit Emanzipation und Feminismus fortgeschritten sind, ist die klassische Rollenverteilung fest im Unterbewusstsein verankert und viele Frauen empfinden es sogar als unbequem die Hand oben zu halten.

Das unschuldige Lächeln

selfie-monkey-self-portrait-macaca-nigra-50582

 

 

 

 

 

 

Robert Provine, Professor für Psychologie an der University of Maryland, hat sich das Lachen unserer Affenverwandten genauer angeschaut. Dabei hat er herausgefunden, dass das Lachen von Schimpansen keuchend klingt und bei der Atmung ein kurzer Laut erzeugt wird. Aus weiteren Untersuchungen konnte er schließen, dass nur 15 Prozent des menschlichen Lachens auf wahren Witzen basieren und der Rest Beziehungsverhältnisse darstellt. Frauen lächeln bei gesellschaftlichen Anlässen 87 Prozent der Zeit, während es bei Männer nur 67 Prozent sind. Der Mann möchte somit seine Dominanz und Ernsthaftigkeit wahren, während die Frau sich der Unterdrückung eher hingibt und wie Primaten auch in unsicheren Situationen lächelt und das Gegenüber so für sich gewinnen möchte. Das wusste bereits Lady Diana, die mit ihrem unterwürfigen Lächeln zur Prinzessin der Herzen wurde. Arbeitspsychologen raten Frauen dazu im Job weniger zu lächeln oder nur so oft wie die Männer.

Das Phänomen des unschuldigen Lächelns ist bei beiden Geschlechtern an einer roten Ampel zu beobachten. Wenn, während sie warten, neben ihnen ein Polizeiwagen hält, lächeln sie den Beamten beschwichtigend an, obwohl sie gar nichts falsch gemacht haben. Das Lächeln ist hier ein Zeichen von Unterwürfigkeit und gilt als Beteuerung alles richtig zu machen und stets die Wahrheit zu sagen. Der australische Zoll fand heraus, dass Lügner hingegen weniger oder gar nicht lächeln.  Prof. Arvid Kappas von der Jacobs Universität Bremen erklärt den wesentlichen Unterschied zwischen einem falschen und einem echten Lachen: Die wahre Freude sei von anderen Muskeln ausgelöst, die auch die Wangen- und Augenpartie betreffen. So entstehen zum Beispiel Krähenfüße, die ein falsches Lächeln nicht hervorrufen kann. Paul Ekman, psychologischer Experte nonverbaler Kommunikation, fand außerdem heraus, dass ein unechtes Lachen auf der linken Gesichtshälfte meist ausgeprägter sei.

Nichts desto trotz sollte man keines der genannten Merkmale als einzelnes Indiz sehen, sondern immer im Kontext betrachten. Menschen mit einer Pollenallergie fassen sich wohlmöglich öfter an die Nase und in Botox-Gesichtern löst das echte Lachen auch keine Fältchen um die Augen aus.

 

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Obwohl ich damit schon gut ausgelastet bin, kann ich Derbleu.com einfach nicht links liegen lassen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s