Wolf, Leopard und Co.: Wenn Wildtiere die Stadt wieder zu ihrem Revier machen

Wir leben In einer Zeit, in der die Dichte der Bewohner pro Quadratmeter stetig zunimmt, die Städte sich vergrößern und der Mensch sich über alles stellt. Die entscheidende Frage, die wir uns bei diesem Thema also stellen müssen, lautet:
Wer dringt in wessen Revier ein?

Deutschland hat nur wenige „große“ Raubtiere und die Rückkehr einer Spezies beunruhigt ganze Dörfer und zwingt Politiker zum Handeln. Der Wolf hat, ähnlich wie der weiße Hai, durch Medien und Kindergeschichten à la Rotkäppchen einen schlechten Ruf bekommen. Mittlerweile wohnen wieder 150 ausgewachsene Wölfe in der Bundesrepublik, die sich überwiegend in Brandenburg und Sachsen aufhalten. Diese Zahlen gab der Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) im letzten November bekannt. Eltern sorgen sich um ihre Kinder, Bewohner ländlicher Gegenden fürchten bei Dunkelheit vor die Tür zu gehen und Bauern versuchen ihre Weidetiere zu schützen. Jägern ist zurzeit der Abschuss des Wildtieres untersagt, bei Widerhandlungen verlieren sie ihre Jagderlaubnis.

Aber ist das Problem wirklich der Wolf oder, dass der Mensch den Umgang mit dem Tier endlich lernen muss?

Anfang des 19. Jahrhunderts machte man es sich zum Ziel, die Art auszurotten. Der Mensch sah sich in seiner Existenz und in der seiner Weidetiere bedroht. Nach intensiver Bejagung vertrieb man das Tier für die nächsten 100 Jahre. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich ein Wolfspaar aus Polen über die Grenze traute und Deutschland zu seiner neuen Heimat ernannte. Nun steht der Vorfahre des Hundes unter Naturschutz und der Mensch vor der alten Situation: Was tun?

In Mumbai leben Menschen mit Raubkatzen

Während der Deutsche sich vor einem Tier fürchtet, das seit der Wiederansiedlung keinen Menschen angefallen hat, leben in der indischen Metropole Mumbai 40 Leoparden zwischen Parkhaus, dem grünen Sanday-Gandhi-Nationalpark und natürlich dem Menschen. Ein Tier, das weitaus gefährlicher ist und dem von 1991-2013 ganze 176 tödliche Attacken auf dem Menschen zugeschrieben wurden. Die vielen Todesfälle kamen zustande, weil die Bewohner es für besser hielten, die große Katze zu fangen und umzusiedeln. Daraus entwickelte das Tier ein aggressives Verhalten dem Menschen gegenüber, den es normalerweise fürchtet und meidet. Indiens Behörden lernten schnell: Es ist besser das Tier zu akzeptieren, als dagegen anzugehen. Biologin Vidya Athreya vom indischen Ableger der Wildlife Conversation war es daraufhin, die mit ihrem Team die Bürger aufklärte, zu Infoveranstaltungen einlud und eine Hilfehotline einrichtete. Hier sagen die Menschen nicht:“ Da ist ein Leopard vor unserer Haustür. Der muss weg!“, sondern sie fragen: „Wie verhalte ich mich richtig?“, so ein Mitarbeiter der Hotline zum „Spiegel“.

Aufklärung lautet also die Lösung: Die deutschen Bauern müssen durch den Staat Unterstützung erfahren und für gerissene Tiere eine Entschädigung bekommen. Der kommt nicht nur durch den Wert des Tieres zustande, sondern auch durch die Ertragsausfälle, erklärt der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Eberhard Hartelt. Die Weidetierbesitzer versuchen ihre Herden durch hohe Elektrozäune mit 400 Volt und Hütehunden zu schützen. Dabei investieren sie viel Geld in Mittel, die nur bedingt helfen. 2018 werden Lösungsvorschläge von der Politik verlangt, die eine Weidehaltung ermöglichen sollen.

Bei allen Entscheidungen, die dieses Jahr getroffen werden, muss man immer im Hinterkopf behalten, dass der Wolf zuerst hier war.

Ronja Ebeling

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s