Lieb doch einfach wen und so viele du willst

Wir sind emotional verkrüppelt und wissen nicht was wir wollen. Deshalb denken wir uns immer neue, bessere Beziehungsüberbegriffe aus.

Überfluss gibt es mittlerweile nicht mehr nur, wenn man den TV anmacht, den Kühlschrank auf oder Tinder an. Immer und überall können wir alles mit minimaler Anstrengung haben. Doch was Liebe angeht tuen wir uns irgendwie schwer, klassische Beziehungen sieht man nur noch wenig. Offen, poly oder mit einem + müssen sie jetzt sein. Falls man überhaupt über einen möglichen Status spricht, denn Gefühle zeigen macht man nicht mehr. Wir wollen schließlich nicht verletzt werden, falls der Partner keinen Bock mehr hat.

Logische Schlussfolgerung? Man führt einfach mehrere feste Beziehungen. Polyamorie wird ein immer geläufigerer Begriff und hört sich erstmal nach einer schweren Krankheit an, irgendwas an der Lunge oder ein sich aggressiv ausbreitender Ausschlag. Ist aber in Wirklichkeit ein recht pragmatischer Ausdruck dafür, dass jemand mehrere Menschen gleichzeitig liebt (Poly = lat. mehrfach, Amor = lat. Liebe).

Laut Lisa Fischbach soll das ganze ziemlich einfach sein, solang man mit seinen Partnern offen über die Liebeskonstellationen spricht. „Die Grundregel dieser Lebensform ist die Einvernehmlichkeit“, sagt die Psychologin, Single- Paarberaterin und Co-Autorin des Buches „Treue ist auch keine Lösung“. Bei so vielen Titeln muss man sich ja auskennen.

Doch polyamorösen Menschen geht es nicht ausschließlich um sexuelle, sondern vor allem um emotionale Freiheit – Man darf nicht nur mit anderen schlafen, man darf sie auch lieben – Das Ziel ist also mehrere vertrauensvolle, langfristige Liebesbeziehungen aufzubauen und so seine emotionale Freiheit auszuleben.

„Dass das monogame Treuemodell in vielen Fällen nicht funktioniert“, zeigt sich laut Fischbach spätestens dann, „wenn einer der beiden Partner dem Bedürfnis nach Neuem einseitig nachgibt und fremdgeht“. Und wie wir alle seit dem Sexualunterricht in der Grundschule wissen ist Treue das wichtigste in einer Beziehung und unverzeihlicher Trennungsgrund, schließlich machen Menschen keine Fehler. Aber auch darauf weiß Fischbach einen Rat: „Bevor man den Partner auswechselt, sollte man lieber das bestehende Beziehungsmodell überdenken und vor allem mit seinem Partner über seine Bedürfnisse reden.“ Ich nehme an, das trifft auch auf diejenigen von euch zu, die eine ganz langweilige klassisch monogame Beziehung führen.

Im Allgemeinen kann ich für mich also festhalten, dass Beziehungen eine Art Lieblings-Pulli sind, den wir trotz der zwei, drei kleinen geflickten Stellen am Ellbogen nie wieder hergeben würden und den kein neues Modell so richtig ersetzen kann. Egal wie viele wir davon haben.

Photo by Helena Lopes on Unsplash

Hanna Lüthi

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