Asoziale Medien: Wie Werte in unserem Online-Verhalten untergehen

Es wird gerne von der Online- und der Offline-Welt gesprochen. Aber anzunehmen, dass die „digitale Welt“ von der „analogen Welt“ zu unterscheiden ist wäre falsch, denn die eine geht mit der anderen einher. Was Menschen im Internet tun, hat echte emotionale Konsequenzen wie Freude, Stolz oder auch Wut, die die Person vor dem Bildschirm fühlt. Man sollte also meinen, es gelten online die gleichen Regeln, Werte und Normen wie im realen Leben. Stimmt aber nicht.

„Jede Gruppe oder Gesellschaft hat, damit das Zusammenleben funktioniert, bestimmte Werte (oder Grundwerte). Das sind erstrebenswerte Zustände, die das Leben in dieser Gruppe für den einzelnen angenehm machen und die das Funktionieren und den Erhalt der Gruppe (oder Gesellschaft) gewährleisten.“ – Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl, 2011

Ein sozialer Wert, der sofort in den Kopf schießt, ist zum Beispiel die Ehrlichkeit. Diese ist im Internet eventuell auch mit Authentizität gleichzusetzen. Jedem, der online erfolgreich sein will, wird gesagt, er solle besonders „real“ sein, denn das wollen die Follower sehen. Ob Photoshop, Lightroom oder Bearbeitungs-Apps aber wirklich noch zur wahren Authentizität beitragen, ist fraglich. Auf die Schönheit von toll bearbeiteten Bildern wollen wir aber zugegebenermaßen auch ungern verzichten.

Die Beiträge mit den meisten Likes sind die von coolen, schönen Menschen mit teuren Marken, schnellen Autos, an den tollsten Orten der Welt. Wo bleibt hier also die Bescheidenheit? Online gilt das Motto: Wer mehr hat, kann mehr zeigen. Wer mehr zeigt, ist „beliebter“.

Respekt voreinander zu haben und auch die Werke des anderen zu respektieren, wird im Internet leider noch oft vergessen. A-soziale Medien gibt es zumindest von der Wortbezeichung her nicht. Dass diese Medien auch Mobbing, „Shitstorms“ und weitere negative Auswirkungen auf Menschen haben können, ist aber kein Geheimnis. Zu dem Geschäftsmodell von Facebook und Co. gehört es, unsere Daten zu Werbezwecken zu nutzen. Was aber jeder von uns selbst sofort umsetzen kann, ist, schlicht und ergreifend nett zueinander zu sein. Aber auch beispielsweise das Einhalten von Urheberrechten ist etwas, das größere Beachtung finden sollte. Fotos von anderen zu nutzen, um sein eigenes Online-Image aufzubessern scheint vielleicht als Gang und Gebe, jedoch sollten die Inhaber immer für ihre Werke mindestens durch Credits gewürdigt werden. Im realen Leben würde man ja auch nicht einfach das Buch eines anderen unter dem eigenen Namen veröffentlichen, oder?

An diesen 3 Beispielen (von denen es noch viele mehr gibt) wird eines klar: Die „online Welt“ und die „reale Welt“ sind eben doch noch nicht ganz zu Einer verschmolzen. Vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht wollen wir uns gar nicht ungeschminkt mit Pickeln und zerzausten Haaren im Internet zeigen, auch wenn das ehrlicher wäre. Vielleicht wollen wir lieber unsere schöne, teure Kleidung online präsentieren, auch wenn wir anders bescheidener rüberkommen würden. Vielleicht wollen wir auf Social Media gar nicht immer 100% wir selbst sein, weil wir online sein können, wie oder wer wir wollen. Und vielleicht gibt uns eben das die Freiheit, die wir im realen Leben oft nicht haben. In der Realität können wir Tränen in den Augen meist nicht verbergen, aber online können wir uns dafür entscheiden sie nicht zu posten. Deswegen lieben wir das Internet auch so.

Fragt euch doch mal selbst: Wie sehr seid ihr online ihr selbst?

 

Header photo via Unsplash

Kristin Roloff

Ich bin Kristin, aber wirklich jeder nennt mich einfach Kiki. An der HAW Hamburg studiere ich Medien und Information. Meine Passion für Mode, Fotografie und das Schreiben ist unersättlich, deswegen freue ich mich, diese hier mit euch teilen zu können!

4 Antworten auf „Asoziale Medien: Wie Werte in unserem Online-Verhalten untergehen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s