3 Marken aus der Vergessenheit

Mode steht nie still. Wer nicht aufpasst oder einschläft – wie es Bernard Arnault, CEO von der Luxusgruppe LVMH neulich sagte – droht, in Vergessenheit zu geraten.  Aus diesem Zustand wieder rauszukommen ist anschließend eine kostspielige Sache und ohne die finanzielle Unterstützung einer Luxusgruppe fast unmöglich. Manche Modehäuser aber, entscheiden sich bewusst dazu, sich in den Tiefschlaf fallen zu lassen. Wie es auch Yohji Yamamoto immer wieder betont, muss seine Marke nach seinem Tode nicht weitergeführt werden. Dies wäre dann nämlich kein Yamamoto mehr, sondern Yamamoto by einem neuen Designer.

Als Tim Blanks im März auf seinem Instagram-Feed ein Bild des Showkalenders der Pariser Modewoche aus dem Jahr 1992 veröffentlichte, überfiel das Gefühl einer gewissen Nostalgie viele seiner Follower. Uns total unbekannte Namen wie Doby Broda, Jean-Louis Scherrer, Hane Mori oder Popy Moreni füllten hauptsächlich die rechteckigen Felder dieses Zeitplanes. Doch wer waren diese Designer und was ist mit ihren jeweiligen Marken passiert? Fokus auf drei Marken, die in absolute Vergessenheit geraten sind.

Jean-Louis Scherrer

Ein schwerer Unfall hinderte Jean-Louis Scherrer daran, eine Karriere als Tänzer zu starten. Doch dies hatte nicht nur negative Folgen. Der 1935 in Lyon geborene Designer war dadurch seinen Mitstreitern um einiges voraus. Er hatte ein Gefühl für Bewegung und für die Bedeutung eines Kostüms. Was auf der Bühne tragbar war, verwandelt er in edle Fest- und Abendmode. Regelmäßige Reisen in den fernen Osten nährten die Fantasie des Franzosen. In Paris präsentierte er Kimonos mit Pagodenärmeln und Samourai-Hosen. Diese werden auch ihren Platz in der Garderobe der mondänen Pariserin finden. Die Fantasie seiner Entwürfe ist mit einer gewissen Harmonie und Zeitlosigkeit verbunden. Scherrer ist seine gesamte Karriere lang einem Stil treu geblieben: opulent, übertrieben, aber tragbar.

Jedoch hat nicht nur die Bühne sein Gefühl für Mode geprägt. 1956 beginnt er ein Studium an der bekannten Modeschule „Ecole de la Chambre Syndicale de la Haute Couture“, um anschließend als Assistent von Christian Dior zu arbeiten. Als dieser 1957 stirbt, bleibt Scherrer auch an der Seite des neuen Chefdesigners des Hauses,  Yves Saint Laurent.

1963 eröffnet Scherrer seinen eigenen Couture-Salon, genau zu einem Zeitpunkt, wo der Tod der Haute Couture von allen erwartet wird. Aber Scherrer hält gegen den neuen Trend des Prêt-à-Porters an. Seine Entwürfe sind erfolgreich, 1980 wird er sogar mit dem Dé D’Or de la Haute Couture – von der Zeitung Le Quotidien de Paris von 1976 bis 1990 zweimal jährlich vergebener Preis – ausgezeichnet. Die Marke bringt 1979 und 1980 auch eigene Parfums auf den Markt, die den Namen des Couturiers tragen.

Haute Couture Präsentation aus dem Jahr 1986

Ab Mitte der 90er Jahre kann Scherrer sein Unternehmen nicht mehr weiter finanzieren. Der Name aber bleibt erhalten, sodass die Maison 1994 von Alliance Designers (eine Firma, die Luxusfirmen in finanziellen Schwierigkeiten aufkauft und neu aufbaut) gekauft wird. 2008 schließt der letzte Laden der Marke.

Die Brüder Bensoussan entscheiden sich 2011, die Firma neu aufzukaufen. Seitdem ist das Modehaus wieder aktiv, jedoch nur von wenig Interesse für seine bisherigen Kunden. Die Entwürfe sind nicht spektakulär, die Lederwaren noch weniger.

Popy Moreni

Als Tochter eines international anerkannten Malers und einer Schmuck-Designerin, war Popy Moreni (geboren Annalisa Moreni) schon in ihrer frühen Kindheit der Welt der Künste ausgesetzt. Weil sie nicht genug Zeit haben, sich um ihre Tochter zu kümmern, schicken ihre Eltern sie auf ein Kloster-Internat für Waisenkinder. Nach einem Studium an dem Institut der Künste, Mode und des Kostüms in Turin, zieht die junge Frau nach Paris, wo ihr Vater sich niedergelassen hat. Dort beginnt sie für Maïme Arnaudin zu arbeiten. Letztere ist die Gründerin des ersten Bureaus, das sich ausschließlich der Trend-Analyse widmete.

Moreni’s Herbstmode aus dem Jahr 1994

1973 eröffnet die 29-jährige ihr erstes eigenes Design-Studio, ab 1980 zeigt sie ihre Kreationen auf dem Catwalk. Ihre Vorliebe für die Welt des Theaters und des Zirkus spiegelt sich in ihren Entwürfen wider. Bunte Rauten (das Lieblingsmotiv des Arlequins), der Einsatz von Satin und Pierrot-Krägen prägen ihre Designs, die sich dem heutigen Sportswear nähern. Ihre Shows sind wie ein Zirkus inszeniert: ein schwerer dunkler Vorhang trennt die Models von den Zuschauern.

Die Jahrhundertwende bringt neue Produktlinien der Marke mit sich. Moreni entwirft nun auch Teppiche, Laken und andere Interior-Produkte. Wann genau sie ihre Marke aufgegeben hat, ist unbekannt. Den meisten Modebüchern nach hat sie überhaupt nicht existiert. Jedoch ist auch sie in bestimmten Bereichen eine Pionierin gewesen.

Sie ist eine der ersten Designerinnen, die durchsichtige wasserundurchlässige Plastikmäntel entwirft. Das selbe Material verwendete sie auch für Schuhe. Auch die Nutzung von Neonfarben hatte die Designerin zu einer ihrer signatures gemacht.

Junko Koshino

Die „Coco Chanel des Kimonos“ wuchs in einer Familie ohne Vater auf, nur von Frauen umgeben. Die Kindheit der 1939 in Osaka, Japan, geborenen Designerin ist sehr stark von dem Beruf ihrer Mutter geprägt. Diese näht bis spät in die Nacht die westliche Kleidung für ihre Kundinnen nach. Und tatsächlich werden die drei Töchter von Ayako Koshino bekannte Modedesignerinnen werden. Junkos Schwestern Hiroko und Michiko widmen sich jeweils konzeptueller Mode und der Herstellung von Jeans. Junko Koshino ist avant-gardistischer als ihre Schwestern. Nach einem Studium am Bunka Fashion College revolutioniert sie den Kimono und etabliert ihn in der Mode der westlichen Welt. Doch auch die japanische Kundschaft ist an diesem modernisierten Kimono interessiert. Diese Fusion der traditionell japanischen Bekleidung und des langen westlichen Kleides ist international anerkannt. Junko Koshino bleibt aber nicht auf ihrem Erfolg sitzen. Ihr Konzept erweitert sich, ihre Entwürfe spielen jetzt mit der Morphologie des Körpers, sowie es folgendes Video schildert.

Mittlerweile hat sich die japanische Designerin auf die Kreation von Bühnenkostümen für Theater und Musik festgelegt. Sie unterstützt vor allen Dingen die Samba-Schule, Faculdade do Samba, in Sao Paulo in Brasilien.

Header: Via @timblanks Instagram

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Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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