Zwei Pre-Fall 18 Kampagnen und ihre Wirkungen

Die Kampagnen der Pre-Collections bieten generell durch ihre markanten Verschiedenheiten genug Nuancen für einen ganz eigenen Regenbogen: mal existieren sie einfach nicht, mal sind es monotone Lookbook-Bilder. Manchmal wird ein Celebrity angeworben, der graziös das Testimonial für die Marke spielt, mal wird das Konzept der Werbekampagne der davorigen Kollektion aufgetaut und anders gewürzt. Aber nur selten kommt etwas richtig Interessantes dabei heraus. Wir haben euch zwei Kampagnen rausgesucht und einen Vergleich gemacht.

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Helmut Lang: Next level dating

12 einsame Herzen aus New York erwarten euch auf Helmut Lang’s neuester Werbekampagne. Von 85-jährigen Rentnern bis hin zu einem wasserstoffblonden, tätowierten Bartender sind alle Klischees des Big Apples bedient.

Die Pre-Fall 2018 Kampagnenbilder des österreichischen Designers laden die Instagram-Follower der Marke zu einem massiven Throwback in die Dating-Welt der 90er Jahre ein – exakt das Jahrzehnt, in dem Helmut Lang seine Brand in New York etabliert. Doch die Ironie geht noch einen Schritt weiter: alle zwölf Kandidaten können über die Mail-Adresse love@helmutlang.com zu einem Date eingeladen werden.

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Gucci: Back to May 68

Das Motiv ist alles andere als neu: Mai 1968, die französischen Studenten rebellieren in den Strassen von Paris gegen die Regierung. Schon Maria Grazia Chiuri stützte bereits eine gesamte Kollektion auf das 50-jährige Jubiläum dieser Aufstände. Michele’s Kollektion „Gucci dans les rues“ wurde von dem britischen Fotografen Glen Luchford in Pariser Strassen und Klassenzimmern photographiert. Auch die Vitrinen des Mailändischen Flagshipstores wurden nach der Ästhetik der Kampagne dekoriert.

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Von Alessandro Michele liess sich viel mehr erwarten. Das Motiv erscheint zu einfach gewählt, zu offensichtlich. Das Eklektische, was die Kreationen des Designers ausmacht, lässt sich gewiss mit der Ästhetik der Rebellion von 1968 in Verbindung bringen,  jedoch zerstört die Einfachheit der Idee jegliche Authentizität der Kampagne.

Authentizität schlägt Agenda-Setting

Beide Ideen sind simpel, eine jedoch viel interessanter als die andere. Authentizität ist hier auch wieder das Stichwort. Gucci reitet zwar auf einer sicheren Welle – Mai 68 ist eine nicht zu verleugnende Referenz weltweit – bleibt aber für Micheles Verhältnisse auf sehr sicherem, zu sicherem, Terrain. Helmut Lang verlässt zwar auch nicht die Komfort-Zone seiner Kunden, verbindet diese aber mit dem Erbe seiner eigenen Marke.

Header: Screenshots via Instagram

Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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