Political Statement Piece – Labels und ihr Umgang mit politischen Botschaften

Unser Denken definiert uns. Häufig spiegelt sich das, was sich in unseren Köpfen befindet, nach außen wider. So auch in der Mode; wir tragen, was uns gefällt, was uns repräsentiert und was unsere Gefühle transportiert. So verhält es sich bei vielen auch, wenn sie ihre politische Meinung zum Ausdruck bringen möchten.

Mode ist hochpolitisch. Von der Jakobinermütze zu Zeiten der Französischen Revolution bis hin zu Katharine Hamnetts „58% Dont Want Pershing“ T-Shirt von 1984. Das ist längst nicht nur den Trägern, sondern mittlerweile auch den Machern klar. So sehen wir politische Aussagen auf Klamotten längst nicht mehr nur selbstgemacht auf Demonstrationen, sondern auch industriegefertigt in den Läden hängen.

Doch wo wird eine vermeintlich politische Aussage nur für den kommerziellen Zweck ästhetisiert und wo beginnt tatsächliches Engagement der Konzerne?

Politische Revolution bei Gucci und Études?

Vor einem guten Monat fand in Amsterdam das Forum on European Culture statt. Dort diskutierten der deutsche Künstler Wolfgang Tillmanns und der niederländische Architekt Rem Koolhaas unter anderem über zukunftsfähige Imagekampagnen für Europa. Dabei ging es auch um die ‚Etoile‘-Kollektion von Études. Die mit 12 gelben Sternen im Design der Europa-Flagge bestickten Pullover aus dieser Reihe verkaufen sich (für knapp 200€ pro Exemplar) wie von selbst. Europa scheint gut anzukommen, auch in Zeiten von Brexit und Eurokrise.

Études gibt es seit 2012, das Label hat seinen Sitz sowohl in Paris, als auch in NewYork und nutzt gerne politisch aufgeladene Motive. So verkaufte Études in seiner Frühjahrskollektion 2017 auch Klamotten mit dem ikonischen „Atomkraft – Nein Danke“-Logo. Das Motiv ist aus den Anti-Atomkraft Demos des letzten Jahrhunderts noch gut im kollektiven Gedächtnis erhalten. Mehr als eine Bewunderung für das Umweltbewusstsein der heutigen Generation möchte das Label dann aber auch nicht zur Kernbotschaft beitragen.IMG-20180723-WA0021

Auch Luxusmarken wagen sich zaghaft in politische Gefilde vor, deren Inhalte der eigenen Stammkundschaft vermutlich nicht immer ganz so nahe liegen.

Gucci versucht sich in einem (zugegeben ikonographisch beeindruckendem) Werbespot der Revolutionsromantik von 1968 anzunähern. Man sieht Studenten die Sorbonne in Paris stürmen. Dabei tragen sie Klamotten, dessen Wert den einer Monatsmiete für ein Apartment in Paris mit Leichtigkeit übersteigt. Vernachlässigt man den Fakt, dass Gucci Klamotten auf den Barrikaden von 1968 ohnehin einen Anachronismus darstellen, da das Label bis in die 70er Jahre beinahe keine Kleidungsstücke, sondern ausschließlich Taschen und Accessoires herstellte, bleibt trotzdem die Frage, von wo die Rechtfertigung eines solchen politisch aufgeladen Bildtopos herrührt. Zumal sich die Unruhen der 68’er Bewegung gegen ebenjene Strukturen auflehnten, dessen zugehörige Schicht mit Sicherheit eher als Kundenkreis von Gucci in Erwägung gezogen werden kann, als die dargestellten Studenten.

Von Palace bis Palästina

Etwas konsequenter macht es die Firma Hypepeace. Wer sich mit Streetwear auskennt, dem ist Palace sicher ein Begriff. Das Streetwearlabel aus London mit Ursprüngen in der Skaterszene ist quasi das europäische Supreme-Äquivalent und ihr Online Shop bei jedem Drop ähnlich schnell ausverkauft. Vor allem mit ihrem ,Triferg Print’, der den Schriftzug PALACE in einem Penrose-Dreieck zeigt, ist das Label bekannt geworden. Dieses Design haben die Gründer von Hypepeace um ein paar Buchstaben zu PALESTINE erweitert und spenden das damit verdiente Geld von T-Shirts, Hoodies und Crewnecks an das Sharek Jugend Forum, das sich in Palästina gegen Jugendarbeitslosigkeit einsetzt und heranwachsenden Generationen durch ökonomische Stärke eine Perspektive bieten will.

Markenpiraterie als Mittel zum Zweck?

Soweit ein guter Zweck, im Gegensatz zu Études hat das Label aber keine Kooperation mit Palace. Markenpiraterie ist grade in Zeiten von Hypelabels keine Seltenheit mehr. AntiSocialSocialClub aus L.A. ist ein beliebtes Opfer, weil sich der bekannte kurvige Schriftzug leicht abändern lässt. So macht Mvschi Kreuzberg aus Berlin daraus AntiSocialNetworkClub, Aight aus Hamburg verkauft T-Shirts mit AntiFameBitchClub. Der Unterschied hier ist aber das reine Interesse am Mitverdienen. Hypepeace hingegen spendet seine Erlöse für einen Zweck, zu dem das Label überhaupt erst gegründet wurde. Ein Robin Hood Vergleich wäre an dieser Stelle trotzdem zu viel des Guten.IMG-20180723-WA0024.jpg

H&M und die LGBT Community

Aber auch bei den ganz Großen tut sich etwas. H&M hat dieses Jahr erstmals eine Sonderkampagne zum Pride Month entworfen, wobei 10% der Einnahmen aus den Regenbogen-Klamotten an eine UN Kampagne gespendet werden . Ein guter Anfang, auch monetär mit denjenigen zu teilen, dessen Botschaften man verwendet. Trotzdem bleibt die Frage, ob es es sich hierbei um eine Unterstützung auf ideologischer Basis handelt, die von tiefen Überzeugungen der Mehrheit der Konzernmitarbeiter getragen wird, oder ob der Pride Month eine gute Gelegenheit bietet, auf einen Zug aufzuspringen, dessen Gleise unter Mühen von den eigentlichen Unterstützer der Szene erbaut wurden. IMG-20180723-WA0022

Kein Modelabel hat die Pflicht alle Übel der Welt zu bekämpfen und alleine die Aufmerksamkeit auf ein problematisches Thema zu richten, kann der Sache manchmal dienlich sein. Aus der Liebäugelei mit politischen Überzeugungen Profit zu schlagen, ist allerdings keine aufrichtige Unterstützung. Das sollte auch jedem Konsumenten klar sein. Umdenken findet in den Köpfen statt, nicht in den Läden.

Kennt ihr Labels, die es besser machen? Schreibt uns über euer Konsumverhalten, gerade wenn es um politische Statements geht.

 

Featured Image via _glen_luchford

lukeundtrug95

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