Wer war Annabelle Neilson, Alexander McQueens verstorbene Muse?

Über Annabelle Neilson ist nicht viel geschrieben worden. Der Lebensstil des britischen Models und Socialites, das am 17. Juli 2018 im Alter von 49 Jahren an einem plötzlichen Herzinfarkt starb, lässt wenig Raum für Zweifel.  Das Model ist für ihre früheren Suchtprobleme bekannt. Mysteriöser bleibt aber die Persönlichkeit, die sich hinter dunklem Haar und leicht gelangweilt Gesichtsausdruck verbarg.

Schwere Anfänge und die Krönung durch McQueen

Annabelle Neilson wird in eine britische Aristokratenfamilie reingeboren. Als Kind plagt sie ihre starke Schreib- und Leseschwäche, nach einer schweren Schulzeit verlässt sie im Alter von 16 Jahren ihr Internat. Nach einiger Zeit in der rehab, beginnt sie eine mehr oder weniger erfolgreiche Karriere als Model. Sie lernt in der Mitte der 90er Jahre durch die Stylistin Isabella Blow den Designer Alexander McQueen kennen. Der Modemacher findet in der jungen Frau schnell eine Freundin und Muse, die die Andersartigkeit seiner Kreationen ausleben kann. Eine Freundschaft zerstört hier die andere. Stylistin Isabella Blow hat McQueen „entdeckt“ und kaufte 1992 seine gesamte Abschlusskollektion Jack the Ripper stalks its victims. Sie ermöglicht ihm den Start in die Modewelt und wird für McQueen somit eine Mäzenin, Freundin und Muse. Neilson hingegen zerrt Blow von der Bühne weg. McQueen hat nur noch Augen für diese junge Frau, die das Londoner Nachtleben in durchsichtigen Kleidern auszukosten weiß. An einem Abend  im Mai 2000 erscheint Neilson sogar in einem komplett durchsichtigen Kleid in Spinnenweben-Optik (siehe Header) im Monte-Carlo Beach Hotel – eine Kreation von McQueen natürlich.

Freundschaft und Tumult

Mit Alexander McQueen befreundet zu sein, hat Vor- und Nachteile. Zwar hat man Zugang zu den angesagtesten Events in London und Paris – und auch immer ein angebrachtes Outfit – aber der Designer weiss sein gesamtes Umfeld ins persönliche Elend zu ziehen. Exzessiver Kokain- und Alkoholkonsum gehören zu einer solchen Freundschaft genauso sehr dazu, wie aus dem feinsten Tüll gefertigte Kleider. Am 11. Februar 2010 begeht Alexander McQueen Selbstmord, Neilson sieht ihn am selbigen Tag noch an einer Veranstaltung. Der Tod ihres „Bruders, Freundes und Seelenverwandten“ reißt das Model sehr mit. An seiner Beerdigung liest sie Edgar Allan Poes Gedicht “Annabelle Lee” vor – das Lieblingswerk beider. (Lee war Alexander McQueens eigentlicher Vorname) McQueen hatte Neilson vor seinem Tod ein Stoffstück mit den in Gold aufgestickten Versen dieses Gedichtes geschenkt.

Ihre Ehe mit dem Bankier Nat Rothschild hält nur drei Jahre (1994-1997) und bleibt kinderlos. Sie datet von 2002 bis 2009 Lord Edward Spencer-Churchill.

Nach ihrer kurzlebigen Karriere in der Welt der Mode nimmt Neilson an einer Reality-Tv Show, Ladies of London, teil. Die Avant-Garde, die dank McQueen einst den Stil des Models ausmachte ist hier schon längst verschwunden. Strass, Abendroben und britische Herrenhäuser ersetzen die einst gewagten Looks Neilsons.

View this post on Instagram

💔

A post shared by Kate Moss Agency (@katemossagency) on

Kate Moss und Annabelle Neilson verbindet seit dem Anfang ihrer jeweiligen Karrieren eine innige Freundschaft, obwohl Moss weitaus erfolgreicher war.

View this post on Instagram

Still so shocked and saddened by the sudden loss of this amazing woman, a true survivor on so many levels,@annabelleneilson1 😪 Most people know her as a TV personality, muse of the late Alexander McQueen (also dyslexic) , model and British Aristrocrat…What a lot of people didn’t know about Annabelle was that she was severely #dyslexic and became a #dyslexia advocate, including writing the book Angry Me for kids struggling with their feelings. The book was based on many of her experiences as a child with severe dyslexia. She was down to earth, sweet and surprisingly hilarious. I will always hold dear the conversations we shared on dyslexia and life. You will be missed Annabelle. 😪🙏🏼 💔 #annabelleneilson

A post shared by 👑 𝑨𝑼𝑹𝑶𝑹𝑨 𝑪𝑶𝑳𝑬𝑳𝑳𝑶 🏊🚴🏃🍎 (@auroracolello) on

Neilson widmet sich ab 2015 dem Schreiben von Kinderbüchern.  Die Me-Me-Me Serie – Angry-Me, Dreamy-Me und Messy Me  – setzt sich mit den Gefühlen auseinander, mit denen kleine Kinder konfrontiert werden.

Neilson hatte bereits 40.000 Wörter zu ihrer Beziehung zu Alexander McQueen niedergeschrieben. Diese Hommage hat Neilsons Schreibtisch nie verlassen, das Model hat jedoch an mehreren Projekten dem Designer zu Ehren teilgenommen, wie am neuesten Dokumentarfilm über ihren verstorbenen Freund. In Erinnerung bleibt eine fragile und sensible Person, die immer wieder ihren inneren Dämonen verfiel und ihr Unglück mit Drogen und Alkohol zu besänftigen versuchte.

Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s