Oktoberfest: Die großen Drogen-Wiesn

Im Spätsommer lockt das Münchener Bierzelt, doch Besucher in Lederhose und Dirndl feiern nicht nur mit frisch gezapftem Bier: Im vergangenen Jahr wurden offiziell 293 Wiesnbesucher wegen Drogendelikte gefasst, aber die Dunkelziffer ist weitaus größer.

Vom 22.09. bis zum 07.10.2018 findet das 185. Oktoberfest statt. Sechs Millionen Feierlustige reisen in den Süden Deutschlands, um gemeinsam „O’zapft is“ zu grölen und sich literweise Gerstensaft in den Rachen zu kippen. Aber neben dem bekannten Maß schiebt man sich auch haufenweise weitere Drogen über die Bierbänke zu: Kokain, Gras, Speed und MDMA werden in der Innentasche der Lederhose oder im Push-Up-BH versteckt.

Sauber drauf sein: Weißt du eigentlich, was du dir schmeißt?

In Verbindung mit Alkohol können die Drogen böse Folgen haben, erklärt die 1996 gegründete Initiative „Mindzone“, die für ein sauberes Draufsein plädiert. Aufklärer sehen den Drogenkonsum in Bayern als gesellschaftlichen Fakt an und wollen darüber informieren, anstatt moralisch zu verurteilen. Wenn Feierwütige sich schon etwas schmeißen wollen, dann aber bitte gebrieft. So zum Beispiel Ecstasy: Ähnlich oder identisch aussehende Pillen können völlig unterschiedliche Inhaltsstoffe und Wirkstoff-Zusammensetzungen enthalten. Mit der Betonung darauf, dass XTC dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterliegt und Erwerb, Besitz und Handel strafbar sind, bietet die Website eine Pillen-Analyse. So kann man einfach nach dem Logo oder Name der Pille suchen und so Zusammensetzung und Wirkung des Stoffes erfahren. Die kleine, gelbe Eule ist beispielsweise besonders hochdosiert (120 Milligramm MDMA), wodurch es zu Halluzinationen, aber auch Krampfanfällen kommen kann. Am nächsten Tag folgen Depressionen und der Betroffene kann von Konzentrationsschwächen und Schlafstörungen aufgesucht werden.Die regelmäßige Einnahme großer Mengen MDMA ist neurotoxisch und vergrößert die Wahrscheinlichkeit irreparabler Hirnschäden“, so die Einschätzung von „Mindzone“. Tipp der Experten: Wenn du schluckst, dann erst nur ein Drittel der Pille. Außerdem sei es wichtig zu akzeptieren, wenn die Wirkung ein Ende nimmt, denn Nachspicken erhöhe die Toxizität der MDMA.

So viel dazu, aber wer googelt sein XTC?

Natürlich suchen die meisten Konsumenten nicht erst online nach der Pille, die ihnen gerade zugesteckt wurde. Ab auf die Zunge, heißt es stattdessen. Um für mehr Sicherheit zu sorgen, reagiert die Münchener Polizei mit vermehrten Kontrollen. „Verdachtsunabhängige Kontrollen sind jederzeit zulässig“, heißt es aus der Behörde. Nach den wahllosen Checks dürfen Besucher nicht über den Kontrollgang reden. „Sonst gibt’s Zeltverbot!“, heißt es immer wieder. Ein besonderes Auge hat die Polizei außerdem auf Kiffer. Das Konsumieren dauert länger, als sich eine Pille zu schmeißen und ist deutlich auffälliger.

Oktoberfest: Zwischen Alkoholfahnen und Marihuana-Rauchwolken

Macht Sinn und ist trotzdem eine absolute Absurdität: Die Beamten veröffentlichen zu Wiesn-Zeiten von sonntags bis freitags ihren Wiesenreport. 2017 sind ihnen insgesamt 293 konsumierende Besucher ins Netz gegangen – zum größten Teil Kiffer. Derweil meldete die Münchener Universitätsklinik bereits 85 Alkoholvergiftungen zur Halbzeit. Etliche Herzattacken mussten von den Medizinern behandelt werden, die ein eigenes Ausnüchterungszentrum eingerichtet hatten. Während Komasaufen im Zelt fast Tradition ist, wurde bereits 2010 ein allgemeines Rauchverbot verordnet. Gäste dürfen nur in bestimmten Bereichen paffen, obwohl die durch Tabakgenuss erzeugten körperlichen Effekte – anders als beim alkoholbedingten Rausch – weder zu sexuellen Übergriffen noch zu anderweitig aggressivem Verhalten verleiten. Auch Marihuana stimmt Nutzer meist friedfertig und sanftmütig. Und trotzdem legt die Polizei ihren Fokus auf kleine Grashüpfer, indem sie sich mit einer fast flächendeckenden Kameraüberwachung gewappnet haben. Zu keiner anderen Zeit wird die Absurdität der Unterscheidung von illegalen und legalen Drogen so deutlich wie auf dem Oktoberfest.

Man darf gespannt sein, wie groß die Zahl der allgemeinen Drogendelikte und Alkoholvergiftungen im Jahr 2018 sein werden. Allgemein wird es zwischen Konsum und Kontrolle für Besucher „eine gmiatliche Wiesn, eine wunderbare Wiesn“, sein, um es mit den Worten der Oktoberfestleitung auszudrücken.

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Derbleu.com möchte ich trotz Vollzeitjob weitermachen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

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