Wie Instagram Museen verändert

Für jene von uns, die gerne in Museen gehen, gehört seit ein paar Jahren natürlich das standartmäßige Instagram-Bild zum Besuch dazu. Man möchte zeigen: been there, done that. Vor allem wenn es sich um international bekannte Ausstellungsorte handelt. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile keinen freien Quadratzentimeter mehr vor Gemälden wie der Mona Lisa, weil sich zu den Profi- und Hobbyfotografen, heutzutage auch jeder Smartphone-Besitzer einreiht, um im Getümmel noch ein möglichst gutes Bild inklusive Like-Garantie mitzunehmen. Ein Königreich für einen Bildstabilisator.

Das Perfekte Museums-Selfie

Dabei ist es keine Selbstverständlichkeit, dass in Museen fotografiert werden darf. Um ein ähnliches Gedränge wie vor der Mona Lisa zu verhindern, ist im Neuen Museum in Berlin das Fotografieren des Kopfes der Pharaonin Nofretete verboten. Nicht selten sieht man entsprechende Verbotsschilder bereits im Eingangsbereich vergleichbarer Institutionen. Dass die Besucher trotzdem nicht ausbleiben, liegt an der Bedeutung der entsprechenden Exponate. Man sieht als Besucher darüber hinweg, kein Foto mitzunehmen.

Aber nicht allen Museen dieser Welt ist so eine Beliebtheit vergönnt, denn nicht alle beherbergen eine Mona Lisa, eine Nofretete, oder ähnlich große Meisterwerke. In Zeiten, in denen unsere Fotos auf Social Media zum festen Bestandteil der Dokumentation unserer täglichen Abenteuer geworden sind, heben viele Museen ihre Fotoverbote auf, um Besucher wieder anzuziehen.

Die neuen Kriterien für Museen

Wie gut sich eine Ausstellung, oder ein Museum im Allgemeinen, fotografieren lässt, ist mittlerweile zu einem riesigen Faktor geworden. Gute Beleuchtung-auch abseits der Bilder- für ein Selfie. Farbenfrohe Eingangsbereiche, optimal für die Instagram-Story. Kann man das Museum auch verlinken? All das sind Faktoren, die Besucher in ihr Urteil mit einfließen lassen. Die eigentlichen Exponate rücken mehr und mehr in den Hintergrund. Viele Museen müssen hart um ihre Besucher kämpfen und bekommen neuerdings noch eine weitere Konkurrenz dazu: Instagram-Ausstellungen, oder sogenannte digitale Museen.

Museen, wie für Instagram gemacht

Das sind oftmals zeitlich begrenzte Pop-Ups, die nicht etwa mit konkreten Künstlern werben, sondern damit, dass sich ein Besuch dort besonders gut Fotografieren lässt. So gibt es knallbunte Bällebäder, riesige Spiegel, knallige Lichtinstallationen und vieles mehr.

Das Sweet Art Museum in Lissabon ist so ein digitales Museum. Zwischen Mai und September konnten Besucher in diesem Sommer für 20€ in eine Welt eintreten, die wie für Instagram gemacht schien. Zu sehen waren knallbunte Räume zum Anfassen unter dem Motto ,Say YES to Happiness’. Die Ausstellung war ein Erfolg. Die Instagram Seite des Sweet Art Museums hat in drei Monaten ungefähr so viele Likes gesammelt, wie die Hamburger Kunsthalle in drei Jahren. Weltweit finden sich  vergleichbare Trend-Spots. In Deutschland zum Beispiel in Köln: Das Supercandy Pop-Up Museum. Leicht anderer Name, identisches Konzept.

Digitale Ausstellungen vs. klassische Museen

Es setzt sie natürlich unter Druck, wenn zur Hauptsaison der Urlaubszeit Touristen in die Städte strömen und die ansässigen Museen in dieser Zeit mit Orten konkurrieren müssen, die ein farbenfrohes Urlaubsfoto nach dem nächsten garantieren.

Klassische Museen stehen vor neuen Herausforderungen. Dekoriert man um, verbaut man andere Lichter, ermutigt man Besucher stärker zur Interkation, erlaubt man Fotos jetzt überall und jederzeit? Es stellt sich primär eine Frage: Müssen Museen da überhaupt mitmachen?

Kunst ist unbequem, sie deckt Missstände auf und klagt an. Sie soll etwas auslösen, am besten etwas in den Köpfen der Besucher, nicht nur deren Kameraknopf. Kunst ist auch mal anstrengend oder tut weh (an dieser Stelle liebe Grüße an alle, die schon einmal einer mehrstündigen Performancekunst beigewohnt haben). Schrumpfende Besucherzahlen sind frustrierend und mit begehbaren Süßigkeitenfabriken konkurrieren zu müssen, macht die Sache nicht leichter. Als langjähriger Museumbesucher mag einem diese Entwicklung rätselhaft sein.

Kunst ist und war aber immer ein Spiegel unserer Gesellschaft. Eine Momentaufnahme. Und welche Kunst könnte ein treffenderer Spiegel der Generation Instagram sein, als jene, die vor allem einen Zweck hat: Schön auszusehen und sich fotografieren zu lassen.

 

 

 

 

Lucas Stübbe

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