Editorial: Schutzmantel

„Den Mantel der Gleichgültigkeit haben wir ausgezogen. So können wir vieles spüren, fühlen und aufnehmen, was uns glücklich macht und sonst den dicken Mantel nicht durchdrang.
Jetzt können wir auch vieles sehen, was wir sonst des hochgeklappten Kragens wegen übersahen.
Doch seit wir den Mantel nicht mehr tragen, spüren wir auch öfter einen eisigen Hauch.…. Aber bereuen tun wir es nicht!“

„Die Temperaturen sinken und der Niederschlag steigt. Draußen wird es früher dunkel und in den Wohnungen das Licht angeknipst. Falls wir uns rauswagen, dann nur in einem weichen Mantel. Eine dicke Hülle. Sie hält uns sicher, sie hält uns warm. Doch wie der liebende Vater im Erlkönig, kann uns auch der beste Mantel nicht vor allem schützen. Manchen Dingen müssen wir uns ohne Polster stellen. Wir müssen sie an uns ranlassen, sie auf der Haut und mit dem Herzen fühlen.“
– Hanna

„Auf dem Flohmarkt wurde mir dieser Mantel für 25 Euro angeboten. Als ich ihn zum ersten Mal überzog roch er nach Mann und war viel zu groß. Es ist wohl das erste Kleidungsstück, dass auch mich mal klein aussehen lässt. Am Hals zugeknöpft reicht er in seiner Länge fast bis zum Knöchel. Ich kann mich in diesem Mantel verstecken und trotzdem möchte ich ihn nicht jeden Tag tragen. Verstecken ist auf Dauer nämlich feige. Irgendwann müssen wir uns zeigen.“
– Ronny

„Mäntel kreieren für mich Form. Form auf einem Ich, das einem nicht jeden Tag im Spiegel entgegen lächelt und die Verfremdung durch ein Kleidungsstück manchmal gut gebrauchen kann. Jedoch nur, um den Schutz am Ende des Tages ablegen zu wollen und sich anschließend wieder selber zu gefallen.“
– Juliane

„Für manche mag er aussehen wie ein gewöhnlicher Mantel. Ein Trenchcoat, der mittlerweile bei fast jeder Frau im Schrank hängt. Für mich ist er mehr. Er schützt mich vor Regen auf dem Weg zur Arbeit: Wird es stürmisch, klappe ich den Kragen hoch und vergrabe mein Gesicht darin, um mein Make-Up zu schützen. Das Make-Up, das ich täglich auftrage, damit andere mich schön finden. Manchmal frage ich mich, ob es nicht vielleicht gar nicht so schlecht wäre, wenn der Kragen einfach unten bliebe – ich den Mantel vielleicht sogar komplett ausziehe. Dann würde mein Make-Up zwar vom Wetter zerstört werden, doch sollte ich nicht auch ohne perfekte Maske schön genug sein? “
– Kiki

„Um den ersten Mantel musst du dich gut kümmern. Im Gegenzug schützt er dich.
Ab und zu die Knöpfe erneuern, immer ordentlich aufhängen. Dafür hält er dir Blicke und auch die Kälte vomm Leib – vom Wetter und von anderen Menschen. Er ist dein Schutzmantel, aber leg ihn ab, wenn er seinen Zweck erfüllt hat.“
– Lucas

Foto: Thibault Ulbrich
Video: Ronja Ebeling

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Derbleu.com möchte ich trotz Vollzeitjob weitermachen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s