Auch Helden haben Angst: Ein Feuerwehrmann im Gespräch

Wenn es brennt, genießt Marc Freerks den Tanz der Flammen. „Es war richtig schön warm, man konnte nichts sehen“, schwärmt der Feuerwehrmann über einen Wohnungsbrand in Wandsbek, den die Truppe kontrolliert löschen konnte. Es waren keine Personen im Haus. „Wenn Menschen in Gefahr sind, ändert sich alles.“

Die Sirene heult auf: Was passiert in Ihrem Kopf?

Fürs Erste gar nichts. Es ist wie ein Tunnel. Ich bin fokussiert, kontrolliere meine Ausrüstung und wir fahren zum Einsatz.

Was könnte Sie in diesem Moment aus der Bahn werfen?

Puh, dass meiner Familie irgendwas… Ja, dass ich zur Unfallstelle komme und da liegt jemand aus meiner Familie.

Welcher Einsatz hat Ihnen mal ein Gefühl von Machtlosigkeit gegeben?

An einem Tag haben wir die Nachricht erhalten, dass sich ein Kamerad einer anderen freiwilligen Feuerwehr erhängen will. Wir haben nach ihm gesucht. Im Wald. Aber wir sind in die falsche Richtung gelaufen. Der hing halt hundert Meter von unserem Standort entfernt und während wir den falschen Weg gewählt haben, ging es mir noch durch den Kopf: Was, wenn das jetzt falsch war? Wären wir in die andere Richtung gelaufen, hätten wir ihn wahrscheinlich noch retten können.

Wie haben Sie sich danach gefühlt?

Ich habe mich ein bisschen hilflos gefühlt. Konnte nicht schlafen… Es war halt ein Kamerad, man kannte sich. Aber es gab noch etwas, was mich aus der Bahn geworfen hat.

Was war das?

Sein Bruder ist auch in der freiwilligen Feuerwehr und ein paar Monate später, kam ich an einen Einsatzort. Da habe ich ihn gesehen und stand kurz unter Schock. Es dauerte einen Moment, bis ich mich gefangen und geschnallt habe, dass es eben nur der Bruder ist. Sie sahen sich halt ziemlich ähnlich.

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Nehmen Sie die psychologische Beratung der Feuerwehr in Anspruch?

Ne, bisher nicht. Aber manche Kollegen. Da habe ich aber nicht nachgehakt. Ich möchte ja nicht der Schuldige sein, wenn so eine posttraumatische Belastungsstörung wieder auftritt.

In welcher Situation, wurde es für Sie selbst so richtig brenzlig? 

Einmal gab es einen Brand in einem Recyclingbetrieb. Die ganze Lagerhalle stand in Flammen. Ich war oben auf der Drehleiter und direkt vor mir war eine Metallfassade. Die hat schon rot geglüht und war richtig heiß. Auf Anweisungen des Wehrführers drehte mein Kollege mich auf der Leiter weg. Eine halbe Sekunde später krachte die Mauer runter. Genau da, wo ich kurz vorher noch stand. Natürlich habe ich weiterfunktioniert und erst Zuhause wurde mir klar, wie knapp das war.

Sprechen Sie nach dem Einsatz mit Ihren Kollegen über dieses Gefühl?

Nein, wir lassen Einsätze schon Revue passieren, besprechen aber nur das Technische.

Photo by JC Gellidon on Unsplash

 

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Derbleu.com möchte ich trotz Vollzeitjob weitermachen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

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