Warum 20 und Single sein nicht so schlimm ist, wie man denkt

„Sag mal, lieben wir Dich zu sehr?“ Ich verstehe um ehrlich zu sein überhaupt nicht, was an diesem Sonntagmorgen passiert, als ich mich zum Familienfrühstück geselle. „Dein Vater macht sich echt Sorgen!“, Mama anscheinend auch. Der Grund des Bedenkens liegt bereits auf meinem Frühstücksteller. Ich hatte eigentlich ein Brötchen oder ein Croissant erwartet. Stattdessen muss ich meine Aufmerksamkeit einem absurden Artikel widmen. Dieser besagt, dass junge Erwachsene, die in ihrer Kindheit zu sehr von ihren Eltern geliebt wurden, oft Probleme bei der Partnersuche haben. Der einzige Vorteil der mir gestattet wird? Ich werde ganz schön lange Single sein, aber sobald ich jemanden finde, wird es die richtige Person sein. Sehr vielversprechend, herzlichen Dank.

„Weißt Du, ich denke da wirklich drüber nach,“ Mama hinterfragt weiter meine Erziehung, während mein Bruder am anderen Ende des Tisches vor Lachen fast erstickt. Ich finde diese Situation auch ganz schön lächerlich, wirklich. Es stimmt, dass mein Bild einer Beziehung sehr von der meiner Eltern geprägt ist und ich nach etwas Festem suche. Aber bin ich deshalb ein hoffnungsloser Fall? Ganz und gar nicht.

Unnötiger Stress

Die alljährliche Gartenparty meiner Eltern bietet ihren Freunden immer die besondere Gelegenheit, DIE Frage der Fragen zu stellen: „Na, hast du einen Freund?“ Der beste Part daran – nach einer negativen Antwort meinerseits – ist die darauffolgende Frage: „Aber wieso?“ Tja, wenn ich das wüsste, wäre ich wahrscheinlich nicht Single. Während sich in meinem Kopf wieder ein Donnerwetter zusammenbraut, murmle ich etwas darüber, dass ich picky sei und einfach noch nicht die richtige Person gefunden habe. (Was nicht ganz falsch ist. Mich interessiert in meinem Umfeld einfach niemand.) Es fühlt sich trotzdem so an, als ob ich mich rechtfertigen müsste. Und das muss ich ganz und gar nicht.

Ich bin zwanzig. Nicht achtzig und keine seit mehr als sechzig Jahren alleinstehende Frau, die den Zug nach Couple-Goals-Paradies verpasst hat – obwohl ich felsenfest daran glaube, dass Fahrkarten in jedem Alter erworben werden können, egal ob man achtzig oder zwanzig ist.

Tatsächlich bin ich von weiblichen und männlichen Freunden umrundet, die kurz vor oder nach dem Schulabschluss in einer festen Beziehung gelandet sind und anscheinend auch weiterhin Paare bleiben werden. Die meisten von ihnen leben nicht zusammen – je nachdem, wer wo wohnt und studiert – verbringen jedoch die meiste Zeit gemeinsam. Es lebe die Deutsche Bahn und Flixbus. Es ist daher echt interessant, mal darüber nachzudenken, wie ich die „freie Zeit“ aufgrund meines Beziehungsstatus verbringe: Ich investiere diese Zeit in Lesen und Schlafen – tatsächlich sehr viel – und in Treffen mit meinen Freundinnen. Fühle ich mich also einsam? Nein, nein und nein.

Über persönliche Deadlines

Eine meiner Lieblingsjournalistinnen hat mal in einem sehr persönlichen Artikel geschrieben, dass sie erst mit zwanzig ihren ersten Freund kennengelernt hat. Bis dahin Single gewesen zu sein, sei eine echte Tragödie für sie gewesen. Ich war damals achtzehn, in meinem Leben gab es zwar jemanden, aber nichts Festes. Und ich dachte immer wieder: ‚Schau mal, genau so wird es bei Dir auch sein.’ Irgendwie gab es mir Rückenwind zu wissen, dass diese bewundernswerte Frau, wahrscheinlich von den gleichen Sorgen wie ich in ihrer Schulzeit geplagt wurde. Aber nein, es wird für mich nicht so wie für sie verlaufen. Sich im Privatleben eigene Deadlines zu setzen ist absolut absurd und zusätzlich auch noch extrem frustrierend, glaubt mir. Während ich auf keinen Fall eine regelmäßige Besucherin von Tinder werden möchte, freue ich mich immer noch darauf, eines Tages endlich jemanden interessanten kennenzulernen. Bis dahin suche ich nach netten Formulierungen, um Leuten die ich kaum kenne, zu erklären, dass ich Single bin.

lovisb.

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