Du bist zwischen 1995-2010 geboren? Dann denkst du so

Seit 22 Jahren gibt es mich jetzt. 1996 wurde ich geboren und gehöre somit knapp zur Gen-Z. Ein Begriff, der sich mir nicht ganz erschließt. Wie kann man einer Gruppe von Menschen allein durch ihr Geburtsjahr eine Zugehörigkeit unterstellen? Man soll schließlich nicht alle über einen Kamm scheren.

Seit Jahrzenten kämpfen wir gegen Stigmatisierung an. Dagegen, dass bestimmte Menschen in eine ebenso bestimmt Schublade gesteckt werden, voller noch bestimmteren Labels. Das Ganze scheint wenig gebracht zu haben. Wir werden weiter als Großbegriff Gen-Z bezeichnet. Selbst Bemühungen unsererseits und alternative Namenswünsche wie „Thumbies“, „Memelords“ oder „The Mass Shooting Generation“ tun der ganzen Farce leider keinen Abbruch.

Bündeln wir also unseren Zeitgeist und finden heraus, was wir cool und was uncool finden. WGSN hat uns dafür die Arbeit abgenommen und 40 Gen-Zer zwischen 16-21 interviewt. Dabei haben sich zwei unterschiedliche Gruppen herauskristallisieren: Gen-We und Gen-Me.

Gen-Me: Die Welt dreht sich um mich

Gehörst du zu letzterer Kategorie, scheinst du eher zu den Altmodischen der neumodischen Generation zu gehören. Über Gen-Me wissen wir offenbar am meisten und der Großteil aller Marken fokussiert sich auf sie – genau wie sie selbst. Mit Hilfe von Filtern und Make-up, wofür sie jährlich rund 370 Dollar ausgeben (schließlich ist das Gesicht ihre Visitenkarte), tragen sie ihr optimiertes Selbst durch Instagram an die Öffentlichkeit und auch andere „soziale“ Medien dienen ihnen als Bühne der Selbstdarstellung.

Aber Gen-Z  weiß diese Kanäle auch als Lernplattform zu nutzen. Über Youtube (2017 zur besten Marke gewählt) bilden sie völlig autodidaktisch sämtliche ihrer sozialen wie auch beruflichen Fähigkeiten. „Thumbies“ glauben, dass es nichts gibt, das sie nicht via Schminktutorials oder Lifehacks erlernen könnten. Dieser Glaube geht sogar soweit, dass 54 Prozent der chinesischen Gen-Me Livestreamer als Traumberuf angeben. Das Chongping Institute of Engineering, ein College in Süd-West China, bietet mittlerweile ein dreimonatiges Programm an. Dort können sie lernen ein besserer Livestreamer zu werden – verrückt, bedenkt man, dass unsere Generation noch nie anfälliger für Depressionen, Angststörungen oder Suizide war.

Internet ist Fluch und Segen zugleich

Laut einer „Monitoring the Future“-Studie aus 2016 waren 13-Jährige, die mehr als zehn Stunden in der Woche in den Sozialen Medien verbringen, um 56 Prozent gefährdeter unglücklich zu sein, während bei 27 Prozent der Nutzer die Depressionswahrscheinlichkeit steigt.

Von diesem kapitalistischen System getrieben kauft „The Mass Shooting Generation“ gehypte Marken wie Supreme, Gucci oder Palace. Herausforderung dabei: Die oft strenglimitierten und exklusiven Teile zu ergattern. Hier entsteht ein perfekter Nährboden für Reseller. Sie kaufen die Produkte ein und verkaufen sie mit hohem Gewinn weiter. Bis 2022 soll sich dieser Markt auf 41 Milliarden US-Dollar verdoppeln und 11 Prozent eines jeden Kleiderschranks ausmachen. Glaubt man der Prognose, soll sich der gesamte Resellermarkt so rasant weiter entwickeln, dass er bereits 2027 schneller als der Fast-Fashion-Handel wächst.

Aber Kleidung kostet Geld. Geld, welches wir im Vergleich zu früher deutlich einfacher verdienen können. Zum Beispiel über Crypto-Währungen. Dank der fehlenden Altersbegrenzung können sich sogar 12-Jährige, wie Erik Finman zu jungen Millionären zocken. Vor 7 Jahren kaufte er mit 1000 US-Dollar, die ihm seine Oma schenkte, 100 Bitcoins. Heute besitzt er im Alter von 19 Jahren 401 der digitalen Münzen. Wert je 11000 US-Dollar – ein Gesamtvermögen von 4,4 Millionen US-Dollar.

Gen-We: Zusammen ist man besser

Zielorientiertheit statt Obsession lautet das Motto bei Gen-We. Kollektive Entwicklung ist wichtiger, als die des einzelnen. Das hört sich nach dir an? Glückwunsch, du hast deine Schublade gefunden. Dennoch spürst auch du den starken Leistungsdruck. Besonders hoch ist dieser in US-Amerikanischen Colleges und Asien. Hier zeigen etwa die Hälfte aller Studierenden Anzeichen einer Depression, die Selbstmordrate stieg 2017 auf 4,9 Prozent. Deshalb entscheiden sich immer mehr Jugendliche gegen ein Studium um so bewusst dem rivalischen Bildungsumfeld zu entgehen.

Stattdessen führen angesehene Colleges sozial-emotionale Fächer wie Empathie oder Durchhaltevermögen ein. So auch Peter Salovey, Präsident der Yale University. Er möchte das emotionale Bewusstsein zukünftiger Arbeitnehmer stärken, um so ihre Problemlösung auf real world problems zu fokussieren. Auch die Kent State University hat die Notwendigkeit solcher Programme erkannt und bietet seinen Studenten/innen einen Campus-Garten an. Hier lernen sie alles über Lebensmittelsicherheit und Agrarkultur.

Die Gen-Z fängt an Dinge zu hinterfragen. Wo kommt unser Essen her? Wie wurde es angebaut und wer hat es hergestellt?

Eben dieses Verantwortungsgefühl wünscht sich unsere Generation auch von Unternehmen. Wir arbeiten lieber in einem inklusiven und gerechtem Arbeitsumfeld, das durch toleranten Umgang mit Arbeitnehmern überzeugt und diese Philosophie in ihrer Unternehmenssprache, den Richtlinien und im Recruitment umsetzt. Aber auch im Geldbeutel soll sich Gleichberechtigung wiederspiegeln. Gen-Z plediert auf eine gerechte Bezahlung und Boni – unabhängig von Geschlecht oder Herkunft. Das Motto lautet „Caring is cool!“, off- sowie online. Wir machen keinen Stopp vor dem bunten Instagramzeichen, sondern bringen diese Diversität mit in die soziale Plattform. Unser Ziel ist es einen sicheren Ort für Jugendliche zuschaffen und Stigmas gemeinsam, als Kollektiv, zu bekämpfen. Einer dieser Gruppe ist Peter Devito, Fotograf und postet unretuschierte Portraitserien auf Instagram um so Akne zu normalisieren. Mit dabei sind der Ugly Girls Club und Anti Diet Riot Club. User nutzen ihre eigenen Erfahrungen um anderen zu helfen.

Klar bedeutet das nicht, dass wir jetzt alle eine große, glückliche Familie sind und uns alle lieb haben. Aber sein Gegenüber etwas besser einschätzen zu können und sich bewusst zu sein, dass es nun mal Menschen gibt, die anders als man selbst denken ist doch auch was Schönes.

Hanna Lüthi

Hallo ich bin Hanna, studiere Modejournalismus/Medienkommuniation an der AMD und interessiere mich für so ziemlich alles, was unsere heutige Gesellschaft antreibt. Neues Lieblingsthema: künstliche Intelligenz.

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