Drama für Dolce & Gabbana

Mit dem Hashtag #orgogliosodiessereitaliano hebt Stefano Gabbana, Hälfte des Duos hinter Dolce & Gabbana, jeden Tag seinen Nationalstolz hervor. Das Geschäftsmodell sorgte in den letzten Tagen jedoch für gehörige Schäden.Das sizilianische Identität von Domenico Dolce und Stefano Gabbana ist eine unersättliche Quelle der Inspiration für die Vision des Paares. Diese ließ sich bisher auch problemlos auf die abgezielten Märkte projizieren. In Europa, den USA oder Saudi-Arabien ist D&G ein stetiger Bestandteil von Magazinen und dem generellen Verständnis von Mode.

Stefano Gabbana ist vor allem für sein feuriges Temperament bekannt. Seine aggressiven Kommentare auf Instagram-Posts zahlreicher Influencer und Designer müssen die Mitarbeiter der internen PR-Abteilung des Labels Tag für Tag zum Verzweifeln bringen. Doch der letzte éclat übertrifft alles.

Die seit mehreren Monaten geplante DG Loves China Show sollte gestern Abend, am 21. November, in Shanghai stattfinden. Nun wurde diese jedoch vom Büro für Erbe und Kultur der Stadt abgesagt. Grund dafür ist die als rassistisch angesehene Kampagne, die Dolce & Gabanna in vier Teilen auf Twitter veröffentlicht hat.  Die Inszenierung zeigt eine junge Chinesin in einem für Dolce & Gabbana typischen Paillettenkleid, die mühselig versucht, italienisch Spezialitäten mit Stäbchen zu essen. Alle Videos enden mit einem Bravissimo“, mitsamt chinesischem Akzent des Sprechers.

Eine Kampagne schlechten Geschmacks für die asiatischen Kunden

Die primäre Absicht der Marke ist nicht rassistisch. Es soll eine humorvolle Herangehensweise an das Erbe der Marke im chinesischen Kontext sein. Die chinesische Kundschaft ist alleine für 33 Prozent der globalen Ausgaben im Luxus-Segment verantwortlich, D&G besitzt insgesamt 44 Verkaufsstellen im Reich der Mitte. Der chinesische Markt ist essenziell für das Label. Jedoch handelt es sich um eine ganz schön misslungene Kampagne. Sie weist Fehler in der Wahrnehmung von Respekt innerhalb einer anderen Kultur auf. Die Darstellung platziert die italienische Esskultur über der chinesischen,  indem das Model der Kampagne als komplett ahnungslos inszeniert wird.

Alte Feinde: Diet Prada und Dolce & Gabbana

Der auf Designerkopien spezialisierte Instagram-Account Diet Prada hat sich bereits in der Vergangenheit mit Domenico Gabbana angelegt.  Die Gründer Tony Liu und Lindsey Schuyler scheuten bereits im Oktober 2017 nicht davor zurück, den italienischen Designer der Kopie zu beschuldigen. Während von solchen Anfeindungen betroffene Designer meistens nicht auf die Anschuldigungen der Website reagieren, ging Signore Gabbana in der Kommentarsektion des Instagram-Accounts au Liu und Schuyler los. Beide mussten sich in einem sehr italienischem Englisch heftige Anschuldigungen anhören. Bevor sie anschließend von ihm blockiert wurden, hielten sie die Ausraster des Designers per Screenshots fest und veröffentlichten sie anschließend.

Im gestrigen Skandal Mal konnte Gabbana nicht mehr auf die Beschuldigungen der beiden reagieren – schließlich hat er sie blockiert – jedoch wich er einer direkten Auseinandersetzung mit der Modeautorin Michaela Phuong auch nicht aus. In einem privaten Chat möchte sie den italienischen Designer zur Rede stellen, dieser äußert sich jedoch auf eine äußerst rassistische und aggresive Weise.  Phuong schickte, bevor sie ebenfalls von Gabbana blockiert wurde, Diet Prada Screenshots des Gespräches.

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As @dolcegabbana prepares to mount their next runway show in Shanghai this coming evening (7:30PM) and the rest of Instagram fawns over what’s sure to be an overly lavish “love letter” to China, we’ll be wondering if we’ll see chopsticks as hair ornaments, take-out boxes as purses, or even kimonos misappropriated as Chinese costume. Time will tell. For now, we’ll let y’all simmer on this DM between Stefano and Dieter @michaelatranova (chronology is reversed in slides). Word has it that they’re still in the process of model casting (over 200 Asian girls scheduled)…wouldn’t let them walk the show if we were their agents lol. Also, curious what the Chinese government will think of their country being called shit basically…especially considering how strict they are on who to allow to enter the country on work visas based on a thorough social media background checks. • #DGTheGreatShow #DGlovesChina #runway #fashionshow #cancelled #racism #dolceandgabbana #altamoda #rtw #dgmillennials #stefanogabbana #shanghai #chinese #china #wtf #dumb #lame #asianmodel #asian #dietprada

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Gabbana geht hier davon aus, dass Phuong als Asiatin aus China kommen würde, und argumentiert aus heiterem Himmel mit der Tatsache, dass Chinesen sowieso Hunde essen und sich deshalb bedacht gegen Rassismus äußern sollten. Der Zusammenhang bleibt uns hier auch absolut unklar. Dann holt er weiter aus und bezeichnet China als „Land des 💩“.

Wie wäre es mit einer guten Mine zum bösen Spiel, signore Gabbana?

Das Resultat dieser öffentlich gemachten Auseinandersetzung war die Absage vieler Celebrities, die heute Abend auf der Show erscheinen sollten. Nur kurze Zeit danach wurde sie komplett gecancelt. Spätestens dann hat auch die PR-Abteilung des Unternehmens verstanden, was für einen Vulkanausbruch die Kommunikationstaktik des Chefdesigners ausgelöst hat. In einem Post auf seinem persönlichen Account veröffentlichte Gabbana folgendes Statement:

Die Worte durch den Prätext eines Hackers aus dem Internet zu schaffen, stellt sich jedoch als eine unpassende Lösung heraus. Die Kundschaft ist nicht so naiv, solch einer Aktion zu glauben. Der Verlust des chinesischen Marktes wäre dramatisch für Dolce & Gabbana, famiglia italiana hin oder her. Als Reaktion auf ein vorheriges Drama hatten die beiden Designer mit einem T-shirt, auf welchem der Hashtag #boycottdolce&gabbana prangte, geantwortet. Vielleicht können wir bald den Hashtag #notme in den mit Blumen und Keramik geschmückten Schaufenstern der Marke sehen.

Juliane Clüsener-Godt

Hello, ich bin Juliane. Ich studiere zurzeit Modejournalismus in Hamburg, möchte in naher Zukunft aber am liebsten für ein Print-Magazin die aktuelle Modewelt analysieren. Neben einer unendlichen Liebe für Frankreich, mein Heimatland, pflege ich auch mit sehr großer Sorgfalt meine multiplen und diversen Bücher.

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