RGNRK im Interview: „Streetwear ist nicht nur ein Trend“

Streetwear macht heutzutage jeder. Das Designer-Duo hinter der Hamburger Marke RGNRK hat aber eine klare Vision. Im Interview erklärt das Zweiergespann außerdem, warum Fast Fashion ein Ende finden muss.

RGNRK? Ja, genau richtig. Diese Abkürzung steht für Ragnaroek und ist der Name einer nordischen Mythologie. Es geht um Apokalypse und die Neuerfindung der Welt.  Maximilian Huber und Nina Körle haben ihr Label nach dieser Legende benannt. Wir haben die zwei Modemacher zum Interview getroffen und über ihre Arbeit und die Apokalypse in Fashionindustrie gesprochen.

DERBLEU: Die meisten eurer Pieces sind genderneutral, ohne klare Silhouetten, oversized eben. Warum ist euch das bei den Designs so wichtig? 

Die Gründe liegen zum einen in der Ästhetik und zum anderen in der Funktion. Wir beide mögen und tragen selber gerne Oversize-Looks. Sie bieten die Möglichkeit auf jeden Körper, egal ob männlich oder weiblich, einzugehen- und dabei geht es nicht einfach nur um Weite.

Viele denken, es sei einfach, weite Kleidung zu entwerfen. Dabei ist es extrem schwierig viel Stoff richtig am Körper zu verteilen. Silhouetten spielen in unseren Looks tatsächlich eine sehr tragende Rolle und sollen auch im Streetstyle auf keinen Fall verloren gehen.

Streetstyle nehmen zurzeit viele Designer auf. Wieso ist das so spannend? 

Wir persönlich finden es spannend, dass Streetstyle durch seine Einfachheit für jeden zugänglich ist und dich in deinem täglichen Leben begleitet – ähnlich wie ein guter Freund. Man zeigt mit Streetstyle seine Persönlichkeit.

Warum ist Streetstyle mehr als nur ein Trend? 

Wenn man die Modegeschichte des letzten Jahrhunderts betrachtet, erkennt man, dass „Streetstyle“ seinen Ursprung in Workwear und Uniformen findet. Viele Klassiker wie zum Beispiel der Trenchcoat aus dem Militär, werden immer wieder neu interpretiert und kombiniert und können sogar eine politische Aussage bekommen. Damit kann man schon gar nicht mehr von einem Trend sprechen. Vielleicht ist Streetstyle eher eine Einstellung.

 

 

 

 

Mode aus Überbleibseln

Ihr arbeitet mit Leftover-Materialien aus der ganzen Welt. Anhand welcher Kriterien entscheidet ihr, mit welchen Fabrics ihr arbeiten wollt?

Natürlich sind die Farben und die Qualität die wichtigsten Punkte bei der Entscheidung. Allerdings arbeiten wir im Großen und Ganzen sehr spontan und impulsiv. Wir haben kein direktes Konzept, außer wir brauchen etwas spezielles, wie zum Beispiel ein wasserabweisendes Gewebe.

Mittlerweile haben wir ein großes Netzwerk an Lieferanten mit hochwertigen Leftover-Materialien, die frisch produzierten Stoffen in nichts nachstehen – ganz im Gegenteil.

Leftover-Materialien sind natürlich irgendwann in ihren Ressourcen erschöpft. Was macht ihr dann?

Genau das ist der Reiz an unseren Teilen: Wenn der Stoff für eine Serie aufgebraucht ist, gibt es keine Nachproduktion. Die Teile sind streng limitiert und sogar nummeriert. Durch die Nummern werden sie zu Unikaten. Wir suchen nach einem etwas neues, designen eine neue limitierte Serie und stellen so sicher, dass ein verwendetes Material nicht umsonst produziert worden ist.

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Und wie hängt die Nummerierung der Pieces mit mit dem roten Kreispatch und der Nummer 01001 zusammen?

Der rote Kreispatch ist bei unseren Main pieces immer der Träger der Nummer, der ein RGNRK Teil  zum Einzelstück macht.

01001 ist tatsächlich unsere Sample Nummer. Von dieser Nummer aufwärts bekommt jeder Kunde seine eigene und diese wird in einer von uns geführten Liste aufgezeichnet. Beim Kauf bekommt jeder Kunde ein Echtheitszertifikat mit der jeweiligen Nummer. Dieses Feature sorgt dafür, dass jedes Teil an individuellem Wert gewinnt.

Fast Fashion gefährdet Umwelt und Einzigartigkeit

Es geht also um Beständigkeit und Wertschätzung von Mode. Dem Gegenteil von Fast Fashion, die noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Welche Gefahren seht ihr für die Zukunft?

Primär ist Fast Fashion eine Katastrophe für die Umwelt.

Viele Menschen denken, dass man der Umwelt durch die Verwendung von Baumwolle einen Gefallen tut, obwohl in der Herstellung des Garns extrem viel Land beziehungsweise potentielle Agrarfläche verschwendet und Unmengen an kostbarem Wasser verbraucht wird. Eine weitere Gefahr ist auch, dass Menschen das Gefühl oder Bewusstsein für den Aufwand verlieren, der hinter der Produktion von Kleidung steckt.

Auch wir als Designer sehen uns in der Aufgabe Bewusstsein für- und vor allem Wertschätzung von Kleidung zu stärken. Hat man zu viel von einer Sache, verliert sie ihren Reiz.

Wie würde eine Welt aussehen, in der es nur noch Fast Fashion gibt?

Wenn es nur noch „Fast Fashion“ auf der Welt gäbe, hätte Mode ihren Zauber verloren. Individualität würde auf längere Frist verloren gehen weil alles gleich aussehen  und niemand mehr kreativ denken würde. Am Ende sind alle gelangweilt. Quantität tötet Qualität.

Eure Vision von Fashion ist klar definiert. Warum seht ihr in Shopping-Website animaltracks.de den richtigen Kooperationspartner? 

Animal Tracks ist seit einiger Zeit ein fester Bestandteil und eine Anlaufstelle der Sneaker- und Streetstyle Szene der Stadt.Der Store trägt zu einer freshen Entwicklung der Modewelt innerhalb Hamburgs bei und bietet für uns eine Plattform erstmals unsere Teile zu präsentieren.

Für uns ist dieser lokale Support eine Große Chance, als ein so junges Label an Bekanntheit zu gewinnen. Dafür sind wir sehr dankbar!

Ronja Ebeling

Hello, it's Ronny! Ich mache zurzeit mein Volontariat bei Gala Online in Hamburg. Derbleu.com möchte ich trotz Vollzeitjob weitermachen. Diese Website ist meine kreative Spielwiese: Hier steckt viel Herzblut, Gedankengut und Zeit drin.

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