Das Ende von Tumblr?

Auf Tumblr gibt es bald keine pornografischen Inhalte mehr. Was Tumblr als Social Media Plattform anders macht und warum dieser Bann besonders für die L.G.B.T.Q. Community problematisch ist.

Die Social-Media Plattform tumblr.com kündigte vor einer Woche an, sämtliche pornografische Inhalte ab dem 17. Dezember zu sperren. Das Unternehmen reagiert damit auf Anschuldigungen, kinderpornografische Inhalte zu dulden. Apple ging soweit, die Tumblr-App Ende November für wenige Tage aus dem App-Store zu nehmen. Mittlerweile kann man sie wieder herunterladen.

Laut offiziellem Statement von Tumblr werden demnächst alle ,‚Fotos, Videos oder GIFs, die menschliche Genitalien oder weibliche Brustwarzen zeigen, sowie alle Inhalte – auch  Illustrationen – die Sex abbilden“, von der Website gelöscht.

So weit so üblich in der Social Media Welt.

Facebook, Instagram und Twitter blockieren explizite Darstellungen von Nacktheit schon lange. Damit sind die Nutzer selten einverstanden, nicht umsonst trenden Hashtags wie #freethenipple. Dabei kommt es beim Blockieren von Nacktheit auf Online-Plattformen immer wieder zu kuriosen Zwischenfällen. So amüsierte sich das Internet zuletzt über die Britische Polzeit, dessen A.I.-basierte Software Nacktbilder so häufig mit Bildern von Sandwüsten und Dünen verwechselte, dass sie nicht länger verwendet wurde.

Das Problem liegt in der Datenmenge. Die Bilder von Menschenhand zu sortieren dauert zu lange.

Computer sind aber noch nicht genau genug und können im Zweifelsfall einvernehmliche Erotik nicht von Sexualverbrechen unterscheiden. Im Fall von Tumblr geht es um das Aussortieren von Kinderpornopafie, das ist richtig und wichtig. Das Problem ist nur, dass das Unternehmen gar nicht sortieren will. Es löscht stattdessen ab Mitte Dezember einfach alle sexuellen Bildinhalte. Das machen andere große Plattformen genau so, könnte man anmerken. Doch Tumblr bildete schon immer eine Ausnahme innerhalb der Social Media Plattformen. Anders als Instagram und Co., bei denen die Online-Community auch grob die Offline-Gesellschaft widerspiegelt, war Tumblr schon immer ein Sammelbecken für Minderheiten aller Art und unterrepräsentierte Gruppen.

Tumblr repräsentiert marginalisierte Gruppen besser als jede andere Plattform

So wurden Diskussionen über psychische Krankheiten wie Depression dort schon deutlich eher angestoßen als z.B. auf Instagram. Es geht dort mehr wie in einem Forum zu, anders als bei z.B. Facebook steht die einzelne Person weniger im Fokus. Es geht anonymer zu. In dieser Anonymität finden viele User den Mut, Dinge anzusprechen, die in der echten Welt stigmatisiert werden. Dazu gehören natürlich auch Themen rund um Sexualität und Pornografie. Besonders die L.G.B.T.Q. Gemeinschaft ist in der Tumblr-Welt stark verwurzelt. Dass die Plattform jetzt eben jene Bildinhalte komplett verbietet, und seien sie noch so im Einvernehmen aller beteiligten entstanden, trifft einen großen Teil der Community sehr hart. Dieser Ikonoklasmus sogt dafür, dass sexuelle Orientierung für Menschen aus der L.G.B.T.Q. Community in visueller Form verschwindet.

Es fehlt an Queren Blickwinkeln auf Pornografie

Es fehlt an queeren Blickwinkeln in der Pornografie und an Alternativen zu Erotik-Websiten, bei denen das Geschehen ein immerzu heteronormativ-männliches Narrativ inne hat. Ebendiese alternativen Inhalte sind es, die Tumblr für einen Großteil seiner Nutzer, seit Jahren so attraktiv gemacht hat. Das sie jetzt verschwinden ist ein tiefer Einschnitt und für die Plattform vielleicht auch ein Schuss ins eigene Knie. Ob Tumblr seine Nutzer trotzdem halten kann, bleibt abzuwarten, Enttäuschung über die Entscheidung des Konzerns ist vielen Posts und Kommentaren jedenfalls abzulesen.

Lucas Stübbe

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